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Bush & Co kurz vor
der Verhaftung?
Quelle: T-online,
26.10.2005
Täglich gehen
Hiobsbotschaften im Weissen Haus ein
Die Stimmung im Weissen Haus soll
miserabel sein. Die gefürchteten Zornesausbrüche von US-Präsident George
W. Bush träfen nicht mehr nur engste Mitarbeiter, "die das zu nehmen
wissen, sondern nunmehr auch einige der jungen Berater", verriet ein
politischer Freund von Bush den "Daily News".
Der Präsident sei frustriert und wütend, auch wenn er unbeirrt an die
Richtigkeit seiner Politik glaube. Dies sind "die dunkelsten Tage der
Bush-Präsidentschaft" kommentierte die
"Washington Post".
2000 US-Soldaten starben im Irak
Die Meldung über den 2000. toten US-Soldaten im Irak war nur die jüngste
Hiobsbotschaft, die das Weisse Haus erreicht hat. Bush-Vertraute und
führende Republikaner sind in Skandale und staatsanwaltliche Ermittlungen
verwickelt. Das konservative Lager zweifelt immer offener an Politik und
Entscheidungen des Präsidenten. Bush befindet sich - nimmt man
Meinungsumfragen und die Zahl der politischen Brandherde zum Massstab -
auf einem Tiefpunkt seiner bisherigen, fünfjährigen Amtszeit.
Sinkende Umfragewerte
Vor fast genau einem Jahr siegte er bei den Präsidentschaftswahlen über
seinen demo-kratischen Herausforderer John Kerry - nun glauben den
unterschiedlichen Meinungsumfragen zufolge nur noch rund 40 Prozent der
Amerikaner, dass "Bush seinen Job gut macht". Noch deutlicher sank die
Zustimmung seiner Landsleute zum Irakkrieg. Nur 34 Prozent sagen noch,
dass diese Entscheidung richtig war.
Getreue im Visier eines Sonderermittlers
Diese Woche steht Bush neues Ungemach ins Haus. Bei den Ermittlungen über
die Entlarvung der CIA-Agentin Valerie Plame drohen engsten politischen
Weggefährten Anklagen. Bushs Stabschef Karl Rove, als strategisches
Genie gerühmt, sowie der Stabschef des Vizepräsidenten Dick Cheney,
Lewis Libby, werden verdächtigt, sich mit Indiskretionen strafbar
gemacht zu haben. Selbst Cheney ist nun ins Visier des Sonderermittlers
Patrick Fitzgerald geraten. Der soll aufklären, wer die Ehefrau des
Ex-Sonderbotschafters Jospeh Wilson verriet. Es besteht der Verdacht, dass
Bush-Getreue sich an dem Irakkriegskritiker Wilson rächen wollen.
Bushs Küchenkabinett betroffen
Für Bush ist diese Entwicklung besonders dramatisch, da zumindest
Cheney und Rove zu seinem berüchtigten Küchenkabinett gehören, das der
Ex-Stabschef im Aussenministerium, Lawrence Wilkersen, bitter als
"Verschwörung" im Weissen Haus beschrieb. Dieser enge, von
Neokonservativen geprägte Kreis sei das Entscheidungsgremium für zentrale
Fragen der US-Politik gewesen und passe eher "zu einer Diktatur denn
einer Demokratie". Sein damaliger Chef, der Ex- Aussenminister Colin
Powell habe eine "Serie desaströser Entscheidungen" in diesem Kreis
nicht verhindern können, schrieb Wilkersen in einem Beitrag für die
"Los Angeles Times".
Tricksereien bei Industriespenden
Auch bei den Parteifreunden von Bush brennt es lichterloh: Der
zurückgetretene Sprecher der Republikaner im Repräsentantenhaus, Tom DeLay,
musste vor den Fernsehkameras auf die Polizeiwache gehen, um sich -
verkniffen lächelnd - Fingerabdrücke nehmen zu lassen und sich für ein
Polizeifoto zu stellen. DeLay soll Industriespenden mit illegalen Tricks
in die Parteikasse geschleust haben.
Folterproblem noch nicht im Griff
Inzwischen sieht sich der Präsident erneut mit der brisanten Frage der
Folter von Gefangenen konfrontiert. Der von dem republikanischen Senator
(und ehemaligen Kriegsgefangenen in Vietnam) John McCain initiierte
Beschluss, dass in amerikanischem Namen niemand mehr foltern dürfe, stösst
in der Regierung auf Widerstand. Cheney soll sich US-Medienberichten
zufolge dafür einsetzen, dass die US-Auslandsgeheimdienste von der
Regelung ausgenommen werden.
Posten-Besetzung stark umstritten
Ein politisches Eigentor des Präsidenten droht auch die Nominierung seiner
Rechtsberaterin Harriet Miers für das Oberste Gericht zu werden. Die
religiösen und konservativen Gruppen sind bitter enttäuscht über die Wahl
Miers, die weder dem Wunschbild der Rechten entspricht noch Erfahrung als
Richterin hat. Republikaner zweifelten offen an den intellektuellen
Kapazitäten der Juristin.
Als Krisenmanager in New Orleans nicht
überzeugt
Die Nominierung der Bush-Vertrauten erinnert die Amerikaner daran, dass
der Präsident Posten vor allem an loyale Gefolgsleute vergibt - was
zuletzt bei der Katastrophe nach dem Hurrikan Katrina deutlich wurde. Denn
der Chef der Katastrophenbehörde FEMA, der Ex-Pferdesportmanager Michael
Brown erwies sich als Fehlbesetzung und musste abgelöst werden. Auch Bush
überzeugte dabei seine Mitbürger kaum als oberster Krisenmanager -
angesichts der Probleme im In- und Ausland ist Bush aber genau als solcher
mehr denn je gefordert.
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