Rockstar Bonos Appell für Afrika

Anlässlich des 54sten nationalen Gebetsfrühstücks (National Prayer Breakfast) in Washington DC am 2. Februar 2006 hielt Bono, Rockstar, Aktivist und Mitbegründer der humanitären Organisation DATA (Debt AIDS Trade and Africa; "Verschuldung, Aids, Handel und Afrika"), als Hauptredner geladen. Seine Ansprache an die Versammelten – den US-Präsidenten, König Abdullah, andere Staatsoberhäupter, Kongressabgeordnete und viele weitere Würdenträger – war leidenschaftlich und humorvoll. Er bat die amerikanischen Regierungsmitglieder inständig, ihre Versprechen einzuhalten, den Kranken und Armen zu helfen. Mit seiner gewaltigen, aber einfachen Botschaft lobte, schmeichelte und forderte er seine Zuhörerschaft heraus.

"Während das Gesetz ist, was wir als solches definieren, schweigt Gott nicht zu diesem Thema", sagte Bono. "Es gibt die Gesetze eines Landes, und es gibt höhere Gesetze. Wir können Experten anheuern, die die Gesetze so schreiben, dass wir davon profitieren und dass es ganz richtig ist, dass wir unsere eigene Agrarwirtschaft schützen – dass aber das Gleiche nicht für afrikanische Bauern gilt, wenn sie ihre Landwirtschaft schützen wollen, um davon zu leben. Die Gesetze sind so, wie wir sie schreiben. Doch Gott wird dies nicht akzeptieren."

Bono bat die US-Regierung, ihre Auslandshilfe um ein Prozent des Bundeshaushaltes zu erhöhen. "Das Einzige, dem wir alle zustimmen können – alle Religionen und Ideologien – ist, dass Gott mit den Schutzlosen und Armen ist...

Es geht nicht um Wohltätigkeit, es geht um Gerechtigkeit... Gerechtigkeit aber entspringt einem höheren Massstab. Die Situation in Afrika lässt unsere Vorstellung von Gerechtigkeit lächerlich erscheinen, sie macht unsere Idee der Gleichheit zu einer Farce. Sie verspottet unsere Frömmigkeit, zweifelt unsere Besorgnis an und stellt unsere Verpflichtung in Frage.

Immer noch sterben täglich 6500 Afrikaner an vermeidbaren, behandelbaren Krankheiten, weil ihnen die Medikamente fehlen, die wir in jeder Apotheke kaufen können. Hier geht es nicht um Wohltätigkeit, hier geht es um Gleichheit und Gerechtigkeit.

Denn wir können unmöglich dabei zusehen, was da in Afrika passiert, und dabei, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, zu dem Schluss kommen, dass wir tief im Inneren wissen, dass wir eins sind. Nirgendwo sonst auf der Welt würden wir eine solche Situation akzeptieren. Sehen sie sich an, was in Südostasien durch den Tsunami passiert ist: 150’000 Menschen haben ihr Leben verloren... In Afrika sterben jeden Monat 150’000 Menschen. Ein Tsunami jeden Monat. Und es ist eine absolut vermeidbare Katastrophe...

Wir hören den Ruf in der ONE-Kampagne, einer wachsenden Bewegung von mehr als zwei Millionen Amerikanern. Linke und Rechte gemeinsam. Vereint in dem Glauben, dass der Ort, an dem man lebt, nicht länger bestimmen sollte, ob man lebt...

Die Ärmsten der Armen daran zu hindern, ihre Produkte zu verkaufen, während wir ein Loblied auf den freien Markt singen, ist eine Frage der Gerechtigkeit. Kinder zu haben, damit sie die Schulden ihrer Grosseltern auslösen, ist eine Frage der Gerechtigkeit. Lebensrettende Medizin zurückzuhalten aus Respekt vor dem Patentamt, ist eine Frage der Gerechtigkeit."

Mit der Bitte an die USA um die Erhöhung der Auslandshilfe um ein Prozent, fragte Bono:
"Was ist ein Prozent? Ein Prozent ist nicht bloss eine Zahl auf einer Rechnung. Ein Prozent ist das Mädchen in Afrika, das zur Schule gehen kann, dank Ihnen. Ein Prozent ist die Aids-Patientin, die die notwendige Medizin bekommt, dank Ihnen...

Amerika gibt momentan weniger als ein Prozent. Wir bitten um ein weiteres Prozent, um die Welt zu ändern, um Millionen von Leben zu transformieren, und nicht nur das – und das richte ich an das Militär – um ihre Sichtweise von uns zu transformieren. Ein Prozent bedeutet nationale Sicherheit, aufgeklärtes ökonomisches Selbstinteresse und eine bessere und sicherere Welt in einem...

Diese Ziele – sauberes Wasser für alle, Schulbildung für jedes Kind, Medikamente für die Leidenden und das Ende extremer und sinnloser Armut – sind nicht irgendwelche Ziele, es sind die Millenniumsentwicklungsziele, die dieses Land unterstützt. Und sie sind mehr als das. Sie sind die Seligpreisungen einer globalisierten Welt."

Quelle: www.christianitytoday.com

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