Endlich in den Medien:  Im Weissen Haus
 fallen die ersten Dominosteine ....

Von: gerhard-wisnewski.de:
Posted on Thursday, April 20 @ 00:05:00 CEST by wisnewski

"Rücktritt" von Bushs Pressesprecher Scott McClellan

Von Gerhard Wisnewski

Eine merkwürdige Szene: Bei strahlendem Sonnenschein gehen George W. Bush und sein Pressesprecher Scott McClellan auf dem Rasen des Weissen Hauses in dunklen Anzügen nebeneinander her auf die Mikrophone zu. Ihre Schritte demonstrieren Spannkraft und Entschlossenheit, aber als Bush kurz winkt, wirkt dies künstlich, unsicher und zurückhaltend - sein puppenhaftes Winken geht ins Leere, er scheint niemanden zu meinen.

So begann gestern ein grosses Reinemachen im Weissen Haus. Ob dies dadurch wirklich sauberer oder vielmehr noch verrotteter wird, als es ohnehin schon ist, ist natürlich die grosse Frage.

Die entschlossenen Schritte und vor allem McClellans Lächeln sollen wohl Zuversicht demonstrieren, das Ganze macht aber einen schwer definierbaren, armseligen Eindruck. Es hat etwas Trotziges - wie ein Pfeifen im dunklen Walde. Die beiden kommen daher, als würden sie sich bestens verstehen, wechseln ostentativ ein paar Worte.

Dann bleiben Sie vor den Mikrophonen stehen, und wenn ich das sage, dann meine ich das wörtlich. In einer Frontalaufnahme der beiden sieht man von unten die Mikrophone ins Bild ragen, und unwillkürlich hat man das Gefühl, ein paar Assistenten würden nur einige Besenstile mit Windschutz ins Bild halten. Man sieht keine Leute, keine Hände, keine Köpfe, nichts. Von McClellans und später Bushs Worten abgesehen, gibt es auch keine Geräusche. Die anwesende Presse wird nur durch die ins Bild ragenden Mikrophonköpfe repräsentiert, die zudem anonym bleiben. Interessanterweise sehen die Mikrophonköpfe in Form und Farbe völlig identisch aus - so, als wären nicht die verschiedensten Medien anwesend, sondern bloss die einer einzigen "Firma". Gespenstisch.

"Guten Morgen zusammen", sagt McClellan, "Ich bin hier, um bekannt zu geben, dass ich als Pressesprecher des Weissen Hauses zurücktreten werde“.  "Mr. President", sagt er dann und wendet sich an die Präsidentenpuppe neben ihm, es sei eine grosse Ehre und ein grosses Privileg gewesen, ihm für nunmehr sieben Jahre zu dienen. Davon zwei Jahre und neun Monate als Pressesprecher. Das Weisse Haus befinde sich in einer Phase des Übergangs, erklärt McClellan nebulös. Wandel könne hilfreich sein, würgt er heraus, es sei eine gute Zeit und eine gute Position dafür. Er habe viel erreicht, wendet sich McClellan wieder an Bush, der plötzlich wirkt wie ein Schulbub, der ein Lob seines Lehrers einheimst. Als McClellan sagt, er sei stolz, ein Teil dieses grandios talentierten Teams gewesen zu sein, wirkt es nur wie Hohn. "Terrific" kann ja auch beides heissen, nämlich fürchterlich und schrecklich ebenso wie grandios und sagenhaft.

Die Farce schwingt in jedem Wort und in jeder Geste mit. Sie ist unaufhörlich und unentrinnbar gegenwärtig, so als würde jemand im Hintergrund ein Schild mit der Aufschrift "Schwachsinn!" hochhalten - und die beiden Redner würden es genau wissen. Ihre Beziehung habe einst in Texas begonnen, und er freue sich darauf, sie dort fortzusetzen, sagt McClellan, besonders, wenn sie beide wieder zurück in Texas seien - was so klingt, als würde Bush ihm bald nachfolgen. Bush überspielt die Peinlichkeit mit seinem dreckigen und heiseren Cowboylachen, das er in unzähligen Saloon-Stunden erworben haben mag. Da fängt sich auch McClellan und sagt, er hoffe natürlich, vor Bush dort zu sein.

Nachdem sich beide die Hand geschüttelt haben, kommt Bush an die Reihe:

Es sei eine herausfordernde Aufgabe gewesen, sagt er erst zögerlich, dann plötzlich ironisch werdend, und macht eine Handbewegung in Richtung der Mikrophone, "mit Ihnen allen täglich umzugehen."  Die Mikrophone fühlen sich nicht angesprochen und zeigen kein Anzeichen einer Regung. McClellan repräsentiere wirklich, sagt Bush und stockt, das Beste seiner Familie, seines Bundesstaates und seines Landes. Schon wieder klingt alles gelogen, da hilft auch die hölzerne Handbewegung nicht. Es werde schwierig sein, McClellan zu ersetzen, sagt Bush und stockt erneut. Aber nichtsdestotrotz habe McClellan die Rücktrittsentscheidung getroffen, und er - Bush - akzeptiere das. Auch das wirkt gelogen. Es folgen noch ein paar künstlich auflockernde Worte, ein Händedruck - das wars. Die Mikrophone stellen keine Fragen. Dann gehen beide nach links davon. Die Kamera schwenkt stumm hinterher, als könne sie das Ganze nicht fassen. Fertig ist der kleinste, anzunehmende Fusstritt - beziehungsweise Rücktritt.

Dem Vernehmen nach soll es grössere personelle Umstellungen im Weissen Haus geben. Dass sie die Politik der Vereinigten Staaten zum Besseren wenden, kann man vielleicht hoffen, aber sicher nicht erwarten.

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Weitere Bush-Vertraute von Personalwechsel erfasst

19. April 20069   Quelle:  reuters.de

Washington (Reuters) - Der Personalwechsel in der engsten Umgebung von US-Präsident George W. Bush hat weitere Vertraute des Texaners erfasst. Mit seinem Sprecher Scott McClellan und dem stellvertretenden Stabschef Karl Rove zeichnete sich am Mittwoch der Rückzug zweier hochrangiger Mitarbeiter ab, die Bush aus seinem Heimatstaat nach Washington geholt hatte.

Das Personalkarussell ist seit Ende März im Gang und soll neue Gesichter in die Regierung bringen, die wenige Monate vor der Kongresswahl mit schlechten Umfragewerten kämpft. Bushs neu ernannter Stabschef Josh Bolten hat dafür freie Hand erhalten. Kabinettsmitglieder sind trotz heftiger Diskussionen um Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Finanzminister John Snow bislang nicht betroffen.

"Ich habe alles gegeben, Sir." Mit diesen Worten gab McClellan seinen Abschied bei einem gemeinsamen Auftritt mit Bush in Washington bekannt. Der 38-Jährige hatte den exponierten Posten an der Seite des US-Präsidenten seit mehr als zweieinhalb Jahren inne und galt als einer der bekanntesten Vertreter der Regierung in den Medien. Bush erklärte, er bedauere den Entschluss. Er nannte zunächst keinen Nachfolger. Die Entscheidung dürfte aber zügig fallen. McClellan sprach von einer Übergangszeit von zwei bis drei Wochen, die er noch absolvieren und innerhalb derer er den neuen Präsidenten-Sprecher einarbeiten wolle. Er kündigte an, nach Texas zurückzukehren.

Wie McClellan gehört auch Rove zu der Riege an Vertrauten, die Bush schon während dessen Zeit als Gouverneur des südlichen Bundesstaates kannten. Rove ist bislang der oberste politische Berater des Präsidenten und hat mit dem Schwerpunkt politische Leitlinien einen Vizeposten beim Stabschef des Präsidialamtes inne. Rove werde seinen thematischen Schwerpunkt aufgeben, sagten zwei Regierungsvertreter am Mittwoch. "Das nimmt eine Last von Karls Schultern", sagte ein hochrangiger Mitarbeiter im Weißen Haus. Joel Kaplan, derzeit stellvertretender Haushaltschef im Präsidialamt, werde das politische Portfolio übernehmen. Rove gehört zu den Mitarbeitern Bushs, gegen die im Zusammenhang mit dem Verrat einer Geheimdienstmitarbeiterin im Jahr 2003 Ermittlungen laufen.

Am Vortag hatte Bush den Wechsel des bisherigen US-Handelsbeauftragten Rob Portman auf den Posten des Haushaltsdirektors im Präsidialamt bekannt gegeben. Das Amt war seit der Berufung Boltens zum Stabschef vakant. Bolten übernahm seine Aufgabe am Wochenende von Andrew Card, der den Posten mit Bushs Amtsantritt im Januar 2001 übernommen und ihn damit so lange wie kein anderer seit der Amtszeit von Präsident Dwight Eisenhower innehatte. Mit dem Wechsel an dieser zentralen Stelle im Präsidialamt wollte Bush offenbar nicht zuletzt den immer lauter werdenden Forderungen Rechnung tragen, mit Personalveränderungen neuen Schwung in seine Mannschaft zu bringen. Zur Nachfolgerin Portmans ernannte Bush dessen bisherige Stellvertreterin Susan Schwab.

Während sich das Karussell unterhalb der Kabinettsebene dreht und dreht, hat sich Bush demonstrativ auch hinter die umstrittensten Mitglieder seiner Ministerriege gestellt. Nach einigen Diskussionen über Snow konzentrierte sich die Kritik in jüngster Zeit auf Rumsfeld. Ehemalige Generäle der US-Armee warfen ihm Unfähigkeit vor und forderten seinen Rücktritt.

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