Eskalation von Wahnsinn und Brutalität
 des Israel-Militärs

Quelle:  http://news.web-hh.de/index.php?id=&rubrik=&lid=24245&such=&user=&site=metainfo

Katastrophale Lage im Südlibanon - Opferzahl viel höher, als ange-nommen -  das israelische Militär schiesst auf ALLES, was sich be-wegt, auch auf Flüchtende, Retter und Ambulanzen

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung befinden sich die Menschen im Südlibanon offenbar in einer verzweifelten Situation: Rettern der Hilfsdienste wird vom israelischen Militär der Zugang verweigert, hunderte liegen unter Trümmern begraben, Leichen werden von Hunden gefressen.

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Nr.29 vom 17. Juli 2006

Was will Israel?

von Ilan Pappe, Haifa*

Stellen Sie sich eine Gruppe hochrangiger Generäle vor, die über Jahre Szenarien eines dritten Weltkrieges simulieren, in denen sie riesige Armeen umherziehen lassen und die raffiniertesten Waffen einsetzen können, die sie zur Verfügung haben und die dabei die Immunität computeri-sierter Hauptquartiere geniessen, von denen aus sie ihre Kriegsspiele führen können.

Stellen Sie sich nun vor, man habe sie dahingehend informiert, dass kein dritter Weltkrieg stattfinde und ihre Fachkenntnisse nun gebraucht würden, um Ruhe in einige der nahe gelegenen Slums zu bringen oder um mit der rapide zunehmenden Kriminalität in sozial unterprivilegierten Gemeinden fertig zu werden.

Und dann stellen Sie sich – als letzte Episode meiner phantasierten Krise – vor, was geschieht, wenn sie darauf kommen, wie irrelevant ihre Pläne gewesen sind und wie nutzlos ihre Waffen sind im Kampf gegen die Gewalt in den Strassen, die durch soziale Ungleichheit, Armut und Jahre der Diskriminierung in der eigenen Gesellschaft hervorgerufen worden ist.

Entweder gestehen sie ihr Versagen ein oder sie entschliessen sich, das gewaltige und zerstörerische Arsenal, das ihnen zur Verfügung steht, trotzdem zum Einsatz zu bringen. Heute sind wir Zeugen des verheerenden Schadens, den israelische Generäle anrichten, die sich für die zweite Vorgehensweise entschieden haben.

Soll Krieg zum Selbstzweck werden?

25 Jahre lang habe ich an israelischen Universitäten gelehrt. Einige meiner Studenten waren hochrangige Offiziere der Armee. Ich konnte ihre zunehmende Frustration seit dem Ausbruch der ersten Intifada von 1987 mitverfolgen. Sie verabscheuten diese Art der Konfrontation, die von den Gurus des amerikanischen Studienfaches «Internationale Beziehungen» beschönigend «Konflikte niedriger Intensität» genannt wurde. Für ihren Geschmack war sie zu niedrig. Sie waren mit Steinen, Molotow-Cocktails und primitiven Waffen konfrontiert, die nur einen sehr begrenzten Einsatz des riesigen Arsenals erforderten, das die Armee im Laufe der Jahre angehäuft hatte, und das Funktionieren ihrer Fähigkeiten auf dem Schlachtfeld oder im Kriegsgebiet wurden dabei nicht auf die Probe gestellt. Selbst wenn die Armee Panzer und F-16 Kampfjets einsetzte, war das alles weit entfernt von den Kriegsspielen, welche die Offiziere des israelischen Generalstabes in ihren Hauptquartieren spielten – und für die sie mit dem Geld der amerikanischen Steuerzahler die höchstentwickelten und modernsten Waffen kauften, die es auf dem Markt überhaupt gibt.

Die erste Intifada wurde niedergeschlagen, aber die Palästinenser suchten weiter nach Wegen, um der Besetzung ein Ende zu setzen. 2000 erhoben sie sich wieder, diesmal von einer religiöseren Gruppe nationaler Führer und Aktivisten inspiriert. Aber es handelte sich noch immer um einen «Konflikt niedriger Intensität» und um nichts mehr. Das war aber nicht das, was die Armee erwartete, sie sehnte sich nach einem «richtigen» Krieg. Wie Raviv Druker und Offer Shelah, zwei israelische Journalisten mit engen Verbindungen zur Armee, im kürzlich erschienenen Buch Boomerang (Seite 50) zeigen, beruhten die wesentlichen militärischen Übungen vor der zweiten Intifada auf dem Szenario eines ausgewachsenen Krieges. Man hatte prophezeit, im Falle eines weiteren Aufstandes der Palästinenser gäbe es drei Tage «Unruhen» in den besetzen Gebieten, die dann zu einer Frontalkonfrontation mit den benachbarten arabischen Staaten, in erster Linie Syrien, führen würden. Man argumentierte, eine solche Konfrontation sei nötig, um Israels Abschreckungspotential aufrechtzuerhalten und das Vertrauen der Generäle in die Fähigkeit ihrer Armee zu stärken, einen konventionellen Krieg führen zu können.

Die Frustration wurde unerträglich, als die in der Übung vorgesehenen drei Tage zu sechs Jahren wurden. Und dennoch kreist die hauptsächliche Vorstellung der israelischen Armee vom Schlachtfeld noch immer um die Strategie des «shock and awe» [der kurzen, überwältigenden, «Ehrfurcht gebietenden» Strategie «Schock und Ehrfurcht», wie sie die USA im Irak einsetzten], und weniger darum, Heckenschützen, Selbstmordattentäter oder politische Aktivisten zu jagen. Der Krieg «niedriger Intensität» stellt die Unbesiegbarkeit der Armee in Frage und unterhöhlt ihre Fähigkeit, einen «richtigen» Krieg zu führen. Wichtiger aber als alles andere ist die Tatsache, dass es Israel damit nicht möglich ist, seine Vorstellung vom Land Palästina unilateral durchzusetzen – ein [entarabisiertes] Land ohne Araber und überwiegend in jüdischer Hand. Die meisten arabischen Regimes waren selbstgefällig und schwach genug, um die Israeli beim Verfolgen ihrer Politik gewähren zu lassen – abgesehen von Syrien und der Hizbollah in Libanon. Diese müssen ausser Gefecht gesetzt werden, wenn der israelische Unilateralismus Erfolg haben soll.

Nach Ausbruch der zweiten Intifada im Oktober 2000 durften sie einen Teil der Frustration abreagieren durch den Abwurf von 1000-Kilo-Bomben auf ein Haus in Gaza oder während der Operation «Defense Shield» von 2002, als die Armee das Flüchtlingslager von Jenin mit Bulldozern zerstörte. Aber auch das war weit entfernt von dem, was die stärkste Armee des Nahen Ostens zu tun in der Lage wäre. Und trotz der Dämonisierung der Form des Widerstandes, den die Palästinenser in der zweiten Intifada wählten – die Selbstmord­attentäter – brauchte man nur zwei oder drei F-16 und eine geringe Anzahl Panzer, um die Palästinenser kollektiv zu bestrafen, indem man ihre menschliche, wirtschaftliche und soziale Infrastruktur vollständig zerstörte.

Nichts weniger als die totale Zerstörung Libanons, Syriens und Teherans

Ich kenne diese Generäle so gut, wie sie jemand überhaupt kennen kann. Letzte Woche hatten sie ihren grossen Tag. Schluss mit dem wahllosen Einsatz von 1-Kilo-Bomben, von Schlachtschiffen, Hubschraubern oder schwerer Artillerie: Ohne Zögern akzeptierte der schwache und unbedeutende neue Verteidigungsminister, Amir Peretz, die Forderung der Armee, den Gaza-Streifen zu vernichten und Libanon zu Staub zu zermalmen. Aber das ist womöglich nicht genug. Es kann immer noch in einen ausgewachsenen Krieg mit der glücklosen Armee Syriens ausarten, und meine ehemaligen Studenten könnten sogar mit provokativen Aktionen auf eine solche Möglichkeit drängen. Und glaubt man, was in der hiesigen Presse steht, könnte es sogar zu einem Krieg mit dem entfernten Iran eskalieren – unter amerikanischer Protektion von höchster Stelle.

Selbst die einseitigsten Berichte, die in der israelischen Presse darüber erschienen, was die Armee der Regierung von Ehud Olmert als mögliche Operationen für die kommenden Tage vorschlug, machen deutlich, was die israelischen Generäle zurzeit so begeistert: Nichts weniger als die totale Zerstörung Libanons, Syriens und Teherans.

Die höchsten Politiker sind bis zu einem gewissen Grad zahmer. Sie haben das Verlangen der Armee nach einem «Konflikt hoher Intensität» nur teilweise befriedigt. Aber ihre Tagespolitik ist bereits von militärischer Propaganda und Argumentation eingenommen. Daher konnte die israelische Aussenministerin, Zipi Livni, eine ansonsten kluge Frau, am 13. Juli 2006 im israelischen Fernsehen ernsthaft sagen, der beste Weg, um die zwei gefangenen Soldaten zurückzuholen, «ist die vollständige Zerstörung des internationalen Flughafens von Beirut». Entführer und Armeen, die zwei Kriegsgefangene haben, werden natürlich sofort hingehen und für die Kidnapper und die zwei Soldaten am internationalen Flughafen ein im Handel erhältliches Billett für den nächsten Flug kaufen. «Aber sie [die Entführer] könnten sie [die Soldaten] mit einem Auto hinausschmuggeln», insistierte der Fragesteller. «O ja, gewiss», antwortete die israelische Aussenministerin, «deshalb werden wir auch alle Strassen zerstören, die aus dem Land führen.» Das sind gute Nachrichten für die Armee, um Flughäfen zu zerstören, Benzintanks in Flammen zu setzen, Brücken in die Luft zu jagen, Strassen zu beschädigen und der Zivilbevölkerung Kollateralschäden zuzufügen. Auf jeden Fall kann die Luftwaffe ihre «wirkliche» Macht demonstrieren und die frustrierenden Jahre des «Konflikts niedriger Intensität» wettmachen, in denen die Besten und Wildesten Israels ausgeschickt wurden, um in den Gassen von Nablus oder Hebron Knaben und Mädchen nachzurennen. In Gaza hat die Luftwaffe bereits fünf solcher Bomben abgeworfen, von denen sie in den letzten sechs Jahren nur eine niedergehen liess.

Das könnte den Armeegenerälen aber nicht genügen. Am Fernsehen sagen sie schon deutlich: «Wir hier in Israel sollten Damaskus und Teheran nicht vergessen.» Frühere Erfahrungen sagen uns, was sie mit diesem Appell gegen unsere kollektive Amnesie meinen. Die gefangenen Soldaten in Gaza und in Liba­non sind bereits gestrichen von der hiesigen öffentlichen Tagesordnung. Es geht darum, die Hizbollah und Hamas ein für alle Mal zu zerstören, und nicht darum, die Soldaten nach Hause zu holen. Ganz ähnlich hat die israelische Öffentlichkeit im Sommer 1982 das Opfer völlig vergessen, das der Regierung von Menachem Begin die Rechtfertigung für die Invasion in Libanon lieferte. Es war Shlomo Aragov, Israels Botschafter in London, auf den eine palästinensische Splittergruppe einen Anschlag verübte. Der Angriff auf ihn diente Ariel Sharon als Vorwand dafür, in Libanon einzumarschieren und dort 18 Jahre zu bleiben.

Die USA für Israel – Israel für die USA

Alternative Konfliktverläufe werden in Israel gar nicht aufgebracht, nicht einmal von der zionistischen Linken. Niemand erwähnt Ideen, die einem der gesunde Menschenverstand eingibt, wie den Austausch von Gefangenen oder den Beginn eines Dialoges mit der Hamas und anderen palästinensischen Gruppen – wenigstens während eines längeren Waffenstillstandes, um den Boden für zukünftige, sinnvollere politische Verhandlungen zu legen. Dieser alternative Weg nach vorn wird bereits von allen arabischen Ländern unterstützt, aber leider nur von ihnen. In Washington mag Donald Rumsfeld einige seiner Stellvertreter im Verteidigungsministerium verloren haben, aber er ist noch immer der Minister. Für ihn wird die vollständige Vernichtung der Hamas und der Hizbollah – zu welchem Preis auch immer und sofern es ohne Verlust amerikanischen Lebens geht – die Existenzberechtigung seiner Dritt-Welt-Theorie «bestätigen», die er zu Beginn des Jahres 2001 propagierte. Für ihn ist die gegenwärtige Krise ein berechtigter Kampf gegen eine kleine Achse des Bösen – weg vom Morast des Irak – und ein Vorläufer für die im Kampf gegen den Terror bisher nicht erreichten Ziele – Syrien und Iran. Wenn das Imperium im Irak tatsächlich bis zu einem gewissen Grad dem Vertreter diente, so zeigt die vollumfängliche Unterstützung, die Präsident Bush der gegenwärtigen Aggression in Gaza und Libanon gibt, dass nun möglicherweise die Zeit der Entlöhnung gekommen ist: Nun soll der Vertreter das verwickelte Imperium retten.

Die Hizbollah verlangt den Teil des südlichen Libanon zurück, den Israel noch immer besetzt hält. Ausserdem möchte sie in der libanesischen Politik eine bedeutende Rolle spielen, und sie zeigt ideologische Solidarität sowohl mit dem Iran als auch mit dem palästinensischen Kampf im Allgemeinen sowie dem der Islamisten im besonderen. Die drei Ziele haben sich nicht immer gegenseitig ergänzt, was in den vergangenen sechs Jahren zu eher begrenzten kriegerischen Anstrengungen gegenüber Israel geführt hat. Die völlige Wiederbelebung des Tourismus auf der israelischen Seite der Grenze zu Libanon bezeugt, dass die Hizbollah ihre Gründe hatte, auf Grund derer sie – anders als die israelischen Generäle – mit dem Konflikt niedriger Intensität sehr zufrieden ist. Falls eine umfassende Lösung der palästinensischen Frage erreicht wird, würde selbst dieser Impuls aussterben. 100 Meter in das eigentliche Israel einzudringen ist eine solche Aktion. Der Umstand, dass eine solch mässige Operation mit totalem Krieg und Zerstörung vergolten wird, lässt klar erkennen, dass es um die grosse Planung geht und nicht um den Vorwand.

Die Welt muss handeln, ehe es zu spät ist

Das ist nichts Neues. 1948, als die Vereinten Nationen den Palästinensern ein Abkommen aufdrängten, das ihnen die Hälfte ihres Heimatlandes entriss und es einer Gemeinde von Neuankömmlingen und Siedlern übergab, von denen die meisten nach 1945 gekommen waren, entschieden sich die Palästinenser für einen Konflikt sehr geringer Intensität. Die Führer der Zionisten hatten lange auf diese Gelegenheit gewartet und begannen mit einer ethnischen Säuberungsaktion, bei der die Hälfte der einheimischen Bevölkerung vertrieben und die Hälfte ihrer Dörfer zerstört wurde und die die arabische Welt in einen unnötigen Konflikt mit dem Westen verwickelte, dessen Mächte mit dem Niedergang des Kolonialismus schon begonnen hatten, sich zurückzuziehen. Die beiden Planungen stehen miteinander in Zusammenhang: Je weiter die militärische Macht Israels sich ausdehnt, desto leichter kann die unerledigte Aufgabe von 1948 vollendet werden, nämlich die völlige Entarabisierung Palästinas.

Es ist noch nicht zu spät, um die israelische Planung davon abzuhalten, eine neue und schreckliche Realität zu schaffen. Aber der Spielraum ist begrenzt, und die Welt muss handeln, ehe es zu spät ist.  

Quelle: The Electronic Intifada.net

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Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion (Übersetzung Zeit-Fragen)

Israels Einsatz von chemischer Munition in Gaza

von Duraid Al Baik

Ein Arzt eines palästinensischen Krankenhauses hat Israel angeklagt, chemische Munition einzusetzen, die Verbrennungen und Verletzungen in Weichteilen verursacht und nicht durch Röntgenstrahlen aufgespürt werden kann.

Chemische Substanzen oder abgereichertes Uran (DU) könnte bei der Verwendung dieses neuen Typs an Munition verwendet worden sein, so Dr. med. Jomaa al Saqqa, Chef der Unfallabteilung an Gazas grösster Einrichtung zur medizinischen Versorgung, dem al Shifa-Krankenhaus.

In einem Telefoninterview erzählte al Saqqa den «Gulf News», dass „Operation Sommerregen“ nicht nur der Codename für eine militärische Operation war, die seit dem 26. Juni von Israel gegen Gaza durchgeführt wird. «Es ist die lebendige Erprobung einer neuen Munition, die bis jetzt 50 Palästinenser getötet und 200 verletzt hat», sagte er. Er meinte, er sei sich bisher nicht sicher über die Art der verwendeten Chemikalien, da die israelische Armee in den ersten Tagen des Anschlages das einzige kriminaltechnische Labor in Gaza bombardiert hätte.

Dr. Saqqa, der seit fast 10 Jahren am al Shifa-Krankenhaus arbeitet, sagte, er hätte niemals vorher solche Wunden gesehen. „Am Anfang der Operation Sommerregen bemerkte ich, dass die Wunden der Menschen ungewöhnlich aussehen. Ich dachte, der Grund dafür sei, dass der Angriff aus einer kurzen Distanz erfolgte oder dass die Temperatur der Kugeln, als sie in die Körper der verletzten oder getöteten Menschen eindrangen, so hoch war, dass dies Verbrennungen verursachte. Später fand ich heraus, dass alle Wunden, die in unser Krankenhaus seit Beginn der Operation eingeliefert wurden, sehr ähnlich waren.

Ich bemerkte ausserdem, dass neben den Schäden in inneren Weichteilen in den Körpern der verletzten Menschen keine Splitter durch Röntgenstrahlen gefunden werden konnten. Mit anderen Worten, sie waren verschwunden oder im Körper aufgelöst.»

Al Saqqa drängte die internationalen Gesundheitsbehörden, nach Gaza zu kommen und die Wunden der Menschen im al Shifa-Krankenhaus zu untersuchen.

«Die Situation ist sehr schlimm, denn unter den 200 Verletzten sind 50 Kinder, die schrecklich unter ihren inneren Verletzungen leiden, die von dieser neuen Art an Munition verursacht wurden», sagte er.

«Gulf News» wandte sich an den Sprecher der israelischen Armee, aber dieser stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Quelle: Gulf News vom 13.7.2006

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Quelle:  www.freace.de   Nachrichten, die man nicht überall findet.

Das Ende jeden Alibis

Israel befiehlt "Vergeltungen"

24.07.2006

Eine beispielsweise von Aljazeera am Montag verbreitete Meldung lässt endgültig keinen Zweifel mehr daran, dass es sich bei der israelischen Führung um ein höchstgradig kriegsverbreche-risches Regime handelt.

Demnach sagte ein hochrangiger Offizier der israelischen Luftwaffe am Montag gegenüber dem israelischen Armee-Funk, dass Generalleutnant Dan Halutz, der Generalstabschef des israelischen Militärs, "der Luftwaffe den Befehl erteilt hat, im [Beiruter] Stadtteil Dahaya für jede auf Haifa abgefeuerte Rakete 10 Hochhäuser zu zerstören."

Halutz hat also nicht weniger als massivste Vergeltungsmassnahmen gegen die libanesische Zivilbevölkerung angeordnet und dies nicht einmal für getötete israelische Zivilisten oder auch nur die Zerstörung von zivilem Eigentum, sondern allein schon für einen solchen Versuch.

Auch wenn es nur zu offensichtlich ist, dass ein solches Vorgehen jedem moralischen Standard widerspricht hier Artikel 33 der IV. Genfer Konventionen, die auch von Israel ratifiziert wurden:

ã  Keine geschützte Person darf für eine Übertretung bestraft werden, die sie nicht persönlich begangen hat.

ã   Kollektivstrafen wie auch jede Massnahme zur Einschüchterung oder Terrorisierung sind verboten.

ã   Die Plünderung ist verboten.

ã   Vergeltungsmassnahmen gegen geschützte Personen und ihr Eigentum sind verboten.

Mit diesem Befehl hat sich Israel derart weit von fundamentalsten internationalen Regelungen entfernt, wie dies vermutlich selbst schärfste Kritiker noch vor wenigen Wochen kaum für möglich gehalten hätten.

Spätestens wenn es zur ersten Anwendung dieses Befehls kommt (und in diesen Tagen passiert dies wiederholt; tst), wird dies die letzte Chance für die Vereinten Nationen sein, sich nicht der völligen Bedeutungslosigkeit und Lächerlichkeit preiszugeben. Sollte ein derart schwer wiegendes Kriegsverbrechen erneut aufgrund eines Vetos der USA - die aller Wahrscheinlichkeit nach sogar die Lieferanten der dabei eingesetzten Waffen sind - nicht umgehend mit schärfsten Sanktionen beantwortet werden, so verlören auch die Vereinten Nationen zweifellos jeglichen Respekt in der Welt.

Also noch einmal:   (Zusammenstellung und Übersetzung von Siegmar)

Israel befiehlt "Vergeltungen", aber wofür?

Hier die genaue Schilderung der Vor(her-)gänge:

ã   Zwei israelische Soldaten wurden im Libanon gefangen genommen“, veröffentlicht am: 22.7.2006 durch:  www.whatreallyhappened.com/isreali_solders.html  

ã  Die libanesische, schiitische Hisbolla-Bewegung gab am Mittwoch bekannt, dass ihre Gue-rillas zwei israelische Soldaten im südlichen Libanon gefangen genommen haben.
"Erfüllend unser Versprechen, arabische Gefangene aus israelischen Gefängnissen zu befreien, haben unsere Kämpfer im südlichen Libanon zwei israelische Soldaten im südli-chen Libanon gefangen genommen," besagt eine Mitteilung der Hisbolla. (In israelischen Gefängnissen sitzen aber nach Mitteilung des deutschen Fernsehens ca. 10'000 arabische Gefangene, teilweise seit 28 Jahren. Anm. d.Ü.)

ã   "Die zwei Soldaten wurden schon zu einem sicheren Platz gebracht, " fügte er hinzu. Die libanesische Polizei sagte, dass die zwei Soldaten gefangen genommen wurden, als sie in die Stadt von Aitaa al-Chaab innerhalb der libanesischen Grenze eindrangen.
[Hindustan Times 7/12/06]

ã  Die libanesische Hisbollah Bewegung verkündete am Mittwoch die Gefangennahme von zwei israelischen Soldaten im südlichen Libanon. Libanesische Polizei sagte, dass die zwei Soldaten gefangen genommen wurden, als sie die Stadt von Aitaa al-Chaab innerhalb der Libanesischen Grenze betraten. Israels Luftwaffe war aktiv in der Luft über dem südlichen Libanon dabei, mit Düsenjägern Strassen zu bombardieren, die zu der Markt-Stadt Nabati-yeh führt, 60 km südlich von Beirut, sagte die Polizei. 
[Bahrain News Agency 7/12/06]

ÜBERSETZUNG:  Gemäss den libanesischen Polizeikräften, wurden die zwei israelischen Solda-ten auf libanesischem Gebiet gefangen genommen, in dem Bereich von Aita Al-Chaab nähe der Grenze,

ã     wohingegen das israelische Fernsehen behauptete, sie seien auf israelischem Territorium gefangen genommen worden. [fr.news.yahoo 7/12/06]

So wird von Israel gelogen!    [Nachrichten von Yahoo in Französisch]  (siehe die Karte)

Am Nachmittag wechselte die Szene auf den Strassen des südlichen Libanon, welche das Ziel war von 32 israelischen Angriffen, die hauptsächlich Zielbereiche nahe des Gebietes wo die zwei Soldaten gefangen genommen wurden in Aita al Chaab, nahe der Grenze bei Israel.  [news.monstersandcritis.com 7/12/06 = ]

Frage:  Wollte Israel ihre eigenen beiden Soldaten samt ihren Beschützern töten?

Es begann alles am 12. Juli, als israelische Truppen in einen Hinterhalt auf libanesischer Seite der Grenze von Israel gerieten. Hisbollah, die den libanesischen Süden kommandiert, ergriff die Soldaten sofort bei der Durchquerung.   [Asia Times 7/15/06]

ÜBERSETZUNG:  Völlig absichtlich sandte Tsahal ein Kommando in das libanesische Hinterland nach Aita Al Chaab. Es wurde von der Hisbollah angegriffen, die zwei Gefangene machte. [volairenet.org 7/18/06

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Ende der Übersetzung von Siegmar

Und hier noch konkreter:

Die Gegengeschichte

28. Juli 2006 - Quellen der Hisbollah haben eine völlig andere Geschichte über den Zwischenfall, der den israelischen Angriff gegen den Libanon auslöste. Die Gegengeschichte verleiht der vorsätzlichen Natur von einem Plan Glaubwürdigkeit, der in einem Dreier-Treffen zwischen Dick Cheney, Benjamin Netanjahu und Natan Sharansky bei einer American Enterprise Institute-Konferenz im letzten Monat ausgeheckt wurde.

Hisbollah berichtet, dass am 12. Juli zwei Soldaten der Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) durch die Hisbollah gefangen genommen wurden nachdem sie libanesisches Gebiet betreten hatten. Hisbollah sondierte, ob sie einen Gefangenenaustausch machen könnten, etwas, das in der Vergangenheit schon viele Male geschehen war. Jedenfalls - schon Ausschau haltend nach einem Vorkommen an der israelisch-libanesischen Grenze - sandte die israelische Regierung einen Merkava-2-Panzer in den Libanon, um die zwei gefangenen Soldaten zurückzuholen. Der Panzer traf auf eine Landmine, die vier israelische Soldaten tötete. Haaretz bestätigte, dass der Panzer durch eine Mine zerstört wurde und nicht während eines Hisbollah-Angriffs.

Die neokonservative Maschinerie zum Ziehen von Fäden, einschliesslich George W. Bush, behauptet, dass die Hisbollah israelischen Boden in einer nicht provozierten Attacke betreten und die zwei Israelis gekidnappt habe.

Bildlegende: (Bild hier nicht vorhanden) Der Vorfall an der israelisch-libanesischen Grenze war durch Cheney und seinen israelischen Freund auf der AEI-Konferenz in Colorado vorausgeplant. Der "Clean Break"-Weg führt vom Libanon über Syrien in den Iran.

Hast du es jetzt verstanden?

Israel sandte Truppen über die Grenze in den Libanon und beanspruchte daraufhin, dass die gefangenen Eindringlinge "gekidnappte Opfer" seien und starteten "als Vergeltung" ihre Angriffe. Das kennt man ja von Israel zum Überdruss. Neu ist, dass auf Grund von zwei (!)Kriegsgefangenen ein ganzes Land bekriegt und seine Bevölkerung auf brutalste, rücksichtslose-ste Art in Not und Elend gebracht wird. Oh weh U$rael !!!  (tst)

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Der israelische Horror geht weiter:

Red Cross ambulances destroyed in Israeli air strike on rescue mission

  Volunteer paramedics demand UN guarantees 
  Flags and lights prove no protection for aid teams

Suzanne Goldenberg in Tyre,  The Guardian   

Tuesday July 25, 2006

The ambulance headlamps were on, the blue light overhead was flashing, and another light illuminated the Red Cross flag when the first Israeli missile hit, shearing off the right leg of the man on the stretcher inside. As he lay screaming beneath fire and smoke, patients and ambulance workers scrambled for safety, crawling over glass in the dark. Then another missile hit the second ambulance.

Even in a war which has turned the roads of south Lebanon into killing zones, Israel's rocket strike on two clearly marked Red Cross ambulances on Sunday night set a deadly new milestone.

Six ambulance workers were wounded and three generations of the Fawaz family, being transported to hospital from Tibnin with what were originally minor injuries, were left fighting for their lives. Two ambulances were entirely destroyed, their roofs pierced by missiles.

The Lebanese Red Cross, whose ambulance service for south Lebanon is run entirely by volunteers, immediately announced it would cease all rescue missions unless Israel guaranteed their safety through the United Nations or the International Red Cross.

For the villages below the Litani river, the ambulances were their last link to the outside world. Yesterday, that too was gone, leaving the 100’000 people of Tyre district with no way of reaching hospital other than to take to the roads themselves, under the roar of Israeli war planes.

The fateful call to the Red Cross operations room came through at about 10pm - well after dark, a time when almost no Lebanese now dare venture out.

At the Red Cross office in Tyre, three volunteer medics dressed in their orange overalls, and got into their ambulance. The plan was to drive halfway, meet the local ambulance, and transfer the three patients to their vehicle to return to Tyre.

Coffins are prepared for mass burial in the Lebanese city of Tyre.
Coffins are prepared for mass burial in the Lebanese city of Tyre.
Photograph: Nasser Nasser/AP

By Nader Joudi's reckoning, the ambulances had been stopped for barely two minutes. Two patients had been loaded: Ahmed Mustafa Fawaz, who had been hit by shrapnel in the stomach, and his son, Mohammed, 14. The volunteer attendant was just easing Jamila Fawaz, 80, inside and setting up a drip when the missile struck. He managed to get the old woman and the child outside, but there was no way to reach Mr Fawaz. "It was horrible," Mr Joudi said. "He was screaming, and we couldn't do anything."

One of the members of the three-man crew from Tibnin radioed for help when another missile plunged through the roof. Ambulance crew and patients retreated to the cellar of a nearby building, then waited to be rescued, trying as best as they could to help the injured. "Each of us treated ourselves. There was no light," said Kassem Shaalan, a medic from Tyre.

By the time patients and ambulance crew reached Tyre, Mr Fawaz was unconscious after losing one leg, and suffering severe fractures to the other. His son had lost part of a foot, and his mother's body was riddled with shrapnel. Mr Joudi had shrapnel wounds in his left arm, and Mr Shaalan cuts to the face and leg.

He was adamant that the ambulances, with their Red Cross insignia on the roof, were clearly visible from the air. "I don't think there can be a mistake in two bombings of two ambulances," he said.

Although the air strike marked the first time ambulances have been hit by Israel in this war, for Mr Shaalan and the other Red Cross volunteers it was only a matter of time. After two weeks of strikes designed to choke off possible supply lines to Hizbullah guerrillas, travel to many villages was just too dangerous. Coastal villages even within a few kilometers of Tyre are cut off. In some, corpses remain trapped in the rubble for days.

But nothing is more perilous than travelling by night, and no more so than just before midnight that Sunday when another Red Cross crew set off from Tyre to pick up their injured colleagues.

"I was trembling," said Ali Deeb, one of the volunteers on the mission. "It was too dangerous, and helicopters buzzing, and all through this, I am thinking one thing: the ambulance that left half an hour before you has already been injured, and you could be next." Later yesterday afternoon, two missiles landed in the building across the road from the Red Cross office.

Kommentar von Karl Weiss

Wenn irgendein Photo ohne Kommentar charakterisieren kann, was Israel mit dem Libanon macht, so ist es dieses. Ein Ambulanzfahrzeug des Roten Kreuzes, das deutlich erkennbar war, wurde von einem israelischen Geschoss von einem Kriegsflugzeug genau im Zentrum des grossen aufgemalten Roten Kreuzes auf dem Fahrzeug getroffen.

„Ein tödlicher neuer Meilenstein“ wurde von der israelischen Luftwaffe mit den exakten Treffern auf zwei Ambu-lanzfahrzeuge gesetzt, kommentiert der britische „Guardian“ vom 25. Juli 2006 in einem Artikel über dieses abscheuliche Kriegsverbrechen und einem Foto unter www.guardian.co.uk.

Nach der Meldung des „Guardian“, der bekannt zuverlässig ist in solchen Meldungen, waren beide Ambulanz-fahrzeuge in geringem Abstand voneinander in der Nähe der libanesichen Stadt Tyre unterwegs, beide auf dem Weg, jeweils einen Verletzten des Krieges am vergangenen Sonntag Abend in ein Krankenhaus zu bringen.

Die Hauptscheinwerfer der Ambulanzen waren an, beide hatten Blaulicht eingeschaltet und hatten zusätzlich eine Fahne des Roten Kreuzes gehisst, die von einem anderen Scheinwerfer angestrahlt wurde, um jede mögli-che Verwechslung zu vermeiden.

Es war also objektiv unmöglich, dass die israelischen Luftwaffen-Angehörigen nicht bemerkt hätten, dass es sich um Ambulanzfahrzeuge gehandelt hat. Die Tatsache, dass sie bei beiden Ambulanzen genau das Zentrum des grossen aufgemalten Roten Kreuzes auf dem Dach der Ambulanz getroffen haben, beweist zudem, dass auch dies für sie gut sichtbar war.

Im Grunde sind die (wahrscheinlich jungen) Piloten der israelischen Air Force auch nicht die Hauptschuldigen. Sie wurden indoktriniert, dass gegen den „Terrorismus“ ALLES, buchstäblich ALLES erlaubt ist, also warum soll man dann gegen „Terroristen“ nicht fröhliches Zielschiessen auf Lieferwagen machen, die unvorsichtigerweise noch Zielkreuze aufgemalt haben.

Hat nicht Bush für vermeintliche Terroristen alle Rechte als Verdächtige aufgehoben? Wurden nicht alle Genfer Konventionen als unanwendbar erklärt? Wurde nicht das fröhliche Foltern begonnen? Hat man nicht die Kon-zentrationslager wie Guantánamo eingerichtet?

Werden nicht alle Daten einschliesslich Kreditkartennummern von Fluggästen nach USA an die US-Regierung weitergegeben? Darf man jetzt nicht einfach kleine Länder wie Afghanistan und Irak überfallen ohne dass die Weltgemeinschaft einen verurteilt? Hat Bush nicht den „New war“ ausgerufen, in dem alles gilt, jedenfalls für die Grossen und Mächtigen?

Da ist es doch nicht angebracht, noch irgendwelche Skrupel wegen eines aufgemalten Kreuzes zu haben, nicht wahr? Oder wegen einer lustigen Flagge, die aussieht wie das Schweizer Kreuz, nur mit ausgetauschten Farben.

Die Zielgenauigkeit der modernen Waffen, die von Flugzeugen abgefeuert werden, ist jedenfalls beeindruckend.

Diese Zeilen schreibend, hört der Verfasser im Hintergrund BBC International. Dort wird gerade das nächste unsägliche Kriegsverbrechen berichtet. Jetzt, Dienstag abend, 25.7.: Die Israelische Luftwaffe hat eine der grossen Bomben auf einen Unterstand von UN-Beobachtern im Libanon nahe der israelische Grenze abgewor-fen. Der UN-Unterstand ist nur noch ein riesiges Loch. Die vier Beobachter von der UN aus vier unterschiedli-chen Ländern dürften tot sein. Der Unterstand ist dort seit 1948, seit Israel begründet wurde. Er ist in allen militärischen Karten eingetragen. Man wusste also genau, wen man da mordete.

Auch das ergibt irgendwie einen Sinn. Hat nicht die UN bereits zig mal mit ihrem Sicherheitsrat Resolutionen beschlossen, die Israel nicht befolgen will? Hat der UN-gerichtshof nicht geurteilt, man müsse die Mauer nie-derreissen? Sollte man da nicht mal ein wenig zurück geben?

Es kann nicht mehr lange dauern, bis die US-Luftwaffe das UN-Gebäude in New York angreift, oder?

sfux - 27. Jul, 09:54

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Volltreffer mitten ins Rote Kreuz

"Du fährst raus, um die Leute zu retten - und kommst selbst tot zurück." Helfer in Tyros werfen Israel vor, Rettungsdienste gezielt unter Feuer zu nehmen. Gleich zwei Ambulanzen wurden bei einem Zwischenfall zerstört.
Von Tomas Avenarius

Es mag Zufall sein. Aber die israelische Rakete, die den Ambulanzwagen aus Tyros zerstörte, traf punktgenau durch das große Rote Kreuz auf dem Dach des VW-Busses, in den Schnittpunkt der beiden großen roten Balken.

„Wir waren beim Verladen von Verletzten. Ich hörte einen gewaltigen Knall, sah einen grellen Blitz, dann fand ich mich zehn Meter weiter am Boden liegend. Dem Mann, der im Krankenwagen auf der Bahre lag, hat ein Splitter das Bein abgerissen.“

Kassam Schalan steht vor dem Wrack des Ambulanzwagens, er arbeitet als Freiwilliger beim Roten Kreuz in der südlibanesischen Hafenstadt Tyros. Schalan stand neben der Ambulanz, als diese nahe dem Ort Qana bombardiert wurde. Der Krankenhelfer sagt: „Wir können hier kaum noch arbeiten. Die Israelis nehmen keine Rücksicht auf das Rote Kreuz. Du fährst raus, um die Leute zu retten und kommst selbst tot zurück.“

Gleich zwei Ambulanzen des libanesischen Roten Kreuzes sind bei dem Zwischenfall vor fünf Tagen zerstört worden. „Das kann kein Zufall sein“, sagt der 28-jährige Schalan. „Unsere Wagen fahren mit Blaulicht und die Roten Kreuze auf dem Dach kann kein Pilot übersehen.“ Auch die anderen fünf Patienten, die die Rot-Kreuz-Helfer aus Tyros in Qana hatten abholen wollen, wurden ein weiteres Mal verletzt, eines der Opfer liegt im Koma. Schalan selbst hat Glück gehabt: Sein rechtes Ohr ist halb taub, er hat nicht mehr als ein paar Schrammen im Gesicht und am Knie.

"Die wirkliche Zahl der Toten muss viel höher sein"

Nach mehr als zwei Wochen der Bombardierungen ist die Lage in den Dörfern des Südlibanon katastrophal. Fast alle Flüchtlinge erzählen dieselben Dinge: Dass die Konvois trotz der weißen Fahnen von Jets und Helikoptern beschossen werden, dass in den Dörfern keiner die Toten und Verletzten aus den Trümmern bergen kann, dass auf den Straßen die Leichen von den Hunden gefressen werden. „Die wirkliche Zahl der Toten auf den Dörfern muss viel höher sein als die offiziellen Angaben. Allein in Sfira sollen 60 bis 80 Menschen unter den Trümmern begraben sein“, sagt der Nothelfer. „Das berichteten uns Flüchtlinge von dort.“

Während die Menschen in den Dörfern sterben, stehen in Tyros die Notfallbetten leer. „Seit dem 23. Juli habe ich praktisch keinen neuen Patienten mehr gesehen, sagt der Medizinstudent Ali Najim. „Zu Beginn des Kriegs kamen noch viele Verletzte. Aber jetzt bekommen wir keine Neuzugänge mehr. Die Dörfer sind abgeschnitten, weil alle Straßen zerstört sind. Und das Rote Kreuz traut sich kaum mehr hinaus aus der Stadt.“

Ali Najim hilft im Najim-Krankenhaus mit, sein Vater ist einer der Besitzer der Klinik. Direkt vor dem Hospital, keine zwanzig Meter vom Haupteingang entfernt, liegt ein ausgebrannter Personenwagen am Straßenrand. Abgeschossen von einem israelischen Jet. Der Medizinstudent sagt: „Der Fahrer hatte drei Verletzte aus einem der Dörfer geholt und wollte sie zu uns ins Krankenhaus bringen. Alle vier haben den Beschuss irgendwie überlebt. Auch der Wagen dahinter wurde attackiert.“

"Die Leute sterben auf den Straßen, und keiner kann ihnen helfen"

Der Angriff vor dem Hospital kostete zwei Menschen das Leben. Im zweiten Wagen hatte eine deutsch-libanesische Familie gesessen, der Vater starb, die Mutter und die drei Kinder wurden verletzt und inzwischen nach Berlin gebracht. Najim sagt: „Die Leute sterben auf den Straßen, und keiner kann ihnen helfen. Die Piloten zielen sogar auf diejenigen, die aus den in Brand geschossenen Autos flüchten.“

Im Hauptquartier des Roten Kreuzes an der Uferpromenade machen sich die anderen Helfer in ihren orangefarbenen Splitterwesten und weißen Helmen für einen neuen Einsatz fertig. Sie wollen nach Kleili, wenige Minuten vom Stadtrand entfernt. Die Helfer tragen auch Gasmasken. „Sie sollen fünf Tote abholen, die schon eine Woche dort liegen", sagt Schalan. „Die meisten sollen Kinder sein.“

Originalartikel bzw. ergänzende Info hier

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Vor Abnutzungskrieg im Libanon

Quelle:  www.neuewelt.de   24.7.2006

Die Lage im libanesischen Kampfgebiet:

Zunächst holten sich israelische Elitetruppen von Hisbollah eine blutige Nase

Israelisches Panzerfahrzeug walzt Grenzzaun zum Libanon nieder

Israelisches Panzerfahrzeug  walzt Grenzzaun zum Libanon nieder (ap)

Rainer Rupp

Nach Angaben eines israelischen Militärsprechers vom Sonntag haben am Wochenende Bodentruppen Israels, unterstützt von massivem Artillerie- und Panzerfeuer, das im südlibanesischen Grenzstreifen gelegene Hisbollah-Dorf Maroun al-Ras eingenom-men. In Marwahin, einem anderen Hisbollah-Dorf an der israelisch-libanesischen Grenze, haben die israelischen Soldaten Armeean-gaben zufolge eine Reihe von Waffen, insbesondere Panzerab-wehrraketen, gefunden und abtransportiert. Die israelischen Solda-ten sollen angeblich unbehindert in ihren Schützenpanzerwagen zwischen den zwei Dörfern und der Grenze operieren können. Ein Vertreter der UN-Beobachter-truppe im Südlibanon berichtete zudem, dass inzwischen 300 bis 500 Soldaten auf israelischer Seite in Stellung gegangen seien, was als Vorhut für die erwartete israelische Grossoffensive gewertet wird. Deren erklärtes Ziel ist es, die Hisbollah aus ihren angestammten Gebieten in Südlibanon zu vertreiben.

Bunker- und Tunnelsystem

Mit der angekündigten Grossoffensive (»Wir tun es, sobald die Zeit dafür gekommen ist«) tut sich Israels Armeeführung aber nach wie vor schwer, denn entlang der Grenze läuft es nicht wie geplant. Die Eroberung der zwei libanesischen Dörfer ist eher atypisch für den bisherigen Kriegsverlauf. Denn bei zwei voneinander unabhängigen Vorstössen über die Grenze haben sich die eingesetzten israelischen Elitesoldaten blutige Nasen geholt und mussten schwer geschlagen unverrichteter Dinge zurückkehren. Der Kampf gegen die gut ausgebildeten und hoch motivierten Hisbollah-Kämpfer hat sich als unerwartet schwierig erwiesen. Ausserdem hat Hisbollah die letzten sechs Jahre seit dem Abzug der israelischen Besatzung aus dem Südlibanon gut genutzt, um ihre Verteidigungsstellungen auszubauen und zu tarnen.

Laut israelischen und US-amerikanischen Meldungen, die sich auf militärische Quellen berufen, hat Hisbollah offensichtlich von den Vietnamesen gelernt und in dem bergigen Terrain bis zu 40 Meter tief unter der Erde Dutzende von Bunkern für Waffen- und Munitionsdepots, für Verpflegungs- und Sanitätsstationen ausgebaut. Die Bunker sind durch ein Tunnelsystem miteinander verbunden, aus dem heraus Hisbollah-Kämpfer nachts urplötzlich im Rücken der israelischen Eindringlinge zu tödlichen Attacken auftauchen können. Zugleich hat die Hisbollah ungezählte Minen gegen Panzer und Soldaten entlang den israelischen Invasionsrouten verlegt. Ein schnelles Vorstürmen ist daher für den israelischen Aggressor unmöglich. Auch die gut versteckten Granatwerfer­einheiten haben sich auf die Einfallswege der Israelis eingeschossen.
Die Bunker sind angeblich tief genug, um den von den USA an Israel gelieferten Spezialbomben zur Zerstörung unterirdischer Anlagen zu widerstehen. Die Eingänge sind gut getarnt an unzugänglichen Stellen, z.B. in Dornendickichten, und weder vom Boden noch aus der Luft zu erkennen. Auf diese Weise können die Hisbollah-Kämpfer das schwere, aber weitgehend ungezielte israelische Artilleriefeuer und die Bombardements in ihren Bunkern aussitzen. Über moderne Kommunikationsmittel bleiben sie in Verbindung zu ihrem Hauptquartier. Allerdings operieren die Hisbollah-Guerillaeinheiten weitgehend autonom, der jeweiligen Lage entsprechend.

Grossoffensive verzögert

Aus diesem Grund zögert die israelische Armeeführung eine Grossoffensive am Boden hinaus, die offensichtlich auf der eigenen Seite schwere Verluste mit sich bringen könnte. In Israel, das bisher immer grössten Wert darauf gelegt hat, mit Hilfe von Hochtechnologie und massivem Materialeinsatz in seinen Kriegen möglichst keine Soldaten zu verlieren, sind hohe Opferzahlen des eigenen Militärs politisch nicht akzeptabel. Durch massive eigene Verluste könnte die Kriegseuphorie in der Bevölkerung (knapp 90 Prozent unterstützen die Aggression gegen Libanon) kippen, zum Schaden der Olmert-Regierung und der Armeeführung.

Deshalb verfolgt Israel die Strategie, mit kleinen Einheiten von Elitetruppen entlang der Grenze auf libanesisches Gebiet vorzustossen, Hisbollah-Verteidigungsanlagen aufzuspüren und für Artillerie und Luftangriffe zu markieren. Am Mittwoch vergangener Woche war eine solche Einheit knapp zwei Kilometer in den Südlibanon eingedrungen, wo sie in einen Hinterhalt der Hisbollah geriet. Vier Israelis wurden getötet und neun verwundet. Angeblich sind auch zwei Hisbollah-Kämpfer gefallen. Am Tag darauf wiederholte sich die Tragödie, und die nächste israelische Eliteeinheit verlor weitere vier Soldaten sowie eine nicht genannte Zahl von Verwundeten.

Inzwischen sind Reservisten einberufen worden, um die Verlegung der im palästinensischen Westjordanland operierenden israelischen Elite-Kommandoeinheiten an die libanesische Grenze zu ermöglichen. Die israelische Tageszeitung Haaretz berichtete, dass Offiziere, die an der Vorbereitung der Bodenoffensive beteiligt sind, »die Tatsache nicht verbergen, dass es sehr schwer werden wird«.

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass die israelische Armee mit ihrer enormen Feuerkraft die Hisbollah über kurz oder lang nicht doch besiegt. Jedoch werden die Opfer der israelischen Armee hoch sein. Von den bisher 31 israelischen Toten sind 15 Zivilisten und 16 Soldaten, im Vergleich zu über 300 toten libanesischen Zivilisten und etwa 100 Hisbollah-Kämpfern (laut israelischen Angaben). Derweil hat der israelische Stabschef, General Dan Halutz, die Gefahr erkannt und die Olmert-Regierung gewarnt, sich von Hisbollah nicht in einen Abnutzungskrieg hineinziehen zu lassen.

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28.7.2006  Quelle: Russische Nachrichtenagentur NOVOSTI   Politik - International

EILMELDUNG - Israelische Aufklärungsdrohne über Syrien abgeschossen

BEIRUT, 28. Juli (RIA Novosti) Syriens Luftabwehrkräfte haben ein israelisches unbemanntes Aufklärungsflugzeug abgeschossen, berichtet die libanesische Zeitung "Al Liwa" am Freitag.

Das israelische Flugzeug, das über dem Bekaa-Tal im Osten Libanons eingesetzt war, drang in den syrischen Luftraum ein und wurde dort abgeschossen, hiess es. In Erwiderung darauf griffen israelische Luftstreitkräfte die Stellung der syrischen Luftabwehrkräfte an, von der aus die Rakete abgeschossen worden war.

Es handelt sich um den ersten derartigen Zusammenstoss zwischen Israel und Syrien seit dem Beginn der israelischen Kampfhandlungen in Libanon am 12. Juli.  

(Provokation für "legale" Ausweitung des Nahostkrieges? tst)

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