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"Jeder Kampftag ist ein Sieg für die Hisbollah" Ulrike Putz ist eine rühmliche Ausnahme im ansonsten auf den Hund gekommenen SPIEGEL. -rk- SPIEGEL ONLINE - 27. Juli 2006, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,428894,00.html Unifil-Berater "Jeder Kampftag ist ein Sieg für die Hisbollah" Mehr als zwanzig Jahre lang war Timur Goksel Berater der Unifil-Truppen im Süd-Libanon. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt der Hisbollah-Experte, warum die Miliz so erfolgreich ist und sich niemals auf eine Nato-geführte Friedenstruppe einlassen wird. SPIEGEL ONLINE: Die Hisbollah hält der israelischen Armee stand. Wie stark ist die Miliz wirklich?
Timur Goksel: Die Hisbollah hat ungefähr 700 Mann als profes-sionelle Kämpfer in ihrer Spezialeinheit, zusätzlich kann sie kurzfristig 7000 bis 8000 Mann aus der Bevölkerung rekrutieren. Die Spezial-einheiten haben enormen Zulauf, es gilt als Ehre, in ihr zu dienen. Zudem wissen die Kämpfer, dass für ihre Familien gesorgt wird, sollte ihnen etwas passieren. Hisbollah ist so stark, weil die Männer an das glauben, was sie tun. Sie ist ein ganz neuer Typ einer arabischen Streitkraft. SPIEGEL ONLINE: Wer bildet ihre Kämpfer aus? Goksel: Früher wurden die Milizen im Iran ausgebildet, ab den neunziger Jahren verlagerte sich die Ausbildung dann in den Libanon. Die Hisbollah insgesamt wurde zu einer nationalen libanesischen Bewegung. Es würde für sie keinen Sinn machen, für die Ausbildung in den Iran zu gehen: Iran hat keine Erfahrung mit nicht konventionellen Kriegen, und kann den Hisbollah-Männern nichts über Guerilla-Krieg beibringen. Es ist ja gerade die Hisbollah, die darin erfahren ist. Wenn der Iran neue Waffensysteme liefert, werden ein, zwei Instruktoren in den Iran geschickt und so ausgebildet, dass sie ihr Wissen zu Hause weitergeben können. Das ist das ganz normale Prozedere, das alle Streitkräfte dieser Welt anwenden. SPIEGEL ONLINE: Hassan Nasrallah hat Angriffe über Haifa hinaus angekündigt, ob die Hisbollah dazu tatsächlich in der Lage ist, ist unklar. Warum weiß man so wenig über ihre Stärke? Goksel: Die Hisbollah ist unglaublich vorsichtig, das geht bis hin zur Paranoia. Ihre militärische Stärke ist eins der best gehütetsten Geheimnisse, selbst innerhalb der Organisation sind nur wenige Führungspersonen eingeweiht. ( Bemerkung tst: Wann wird publik werden, dass dies die Hilfe und der Schutz von Ausserirdischen ist?) Sie hat einen sehr gesunden Respekt vor den Geheimdienstmethoden der Israelis, vor deren Technik und ihren Informanten. Ihre Zellen, etwa 10 bis 20 Mann, arbeiten unabhängig voneinander und kommunizieren möglichst wenig miteinander, weniger noch als der Vietkong. SPIEGEL ONLINE: Trotz aller Vorsicht könnte die Hisbollah versuchen, durch eine Propaganda der Stärke Angst zu säen. Warum geschieht das so selten?
Goksel: Die Hisbollah will, dass Israel über ihre Stärke im Unklaren bleibt und sich deshalb Sorgen machen muss. Es ist eine Neuerung, dass die Hisbollah überhaupt Journalisten empfängt und durch das zerstörte Südbeirut führt. SPIEGEL ONLINE: Die israelische Armee fährt die gegenteilige Taktik. Goksel: Israels Armee hat den Fehler gemacht, dass sie am Anfang zu viel geredet hat. Es wurde so getan, als ob die Entwaffnung der Hisbollah ein Kinderspiel sein würde. Jetzt muss die Armee eingestehen, dass das nicht so einfach ist, selbst mit einem Waffenarsenal, mit dem man den ganzen Südlibanon zu einem Parkplatz planieren könnte. Die Israelis können keine Erfolge vorweisen. Die Bevölkerung will sehen, wie die Armee die Raketendepots der Hisbollah findet und unschädlich macht. Die israelische Öffentlichkeit fängt an, Fragen zu stellen. SPIEGEL ONLINE: Wo sehen Sie mögliche Fehler der israelischen Armee? Goksel: Die militärische Darbietung Israels ist höchst peinlich. Da meldet das Militär gestern erst, es habe Bint Dschbeil eingenommen, dann muss die Führung zugeben, dass in fünfstündigen Gefechten acht Soldaten umgekommen und 20 verwundet sind. Zum Schluss heißt es dann, man habe die Stadt doch nicht eingenommen, das aber auch nie gewollt. Diese Armee unterschätzt ihren Gegner und denkt viel zu sehr an das Publikum zu Hause. Der größte Verlust der israelischen Armee in diesem Krieg wird der Verlust der Glaubwürdigkeit sein. Die werden sie nicht wieder herstellen können. So ist jeder Tag, der gekämpft wird ein Sieg für die Hisbollah. SPIEGEL ONLINE: Was wird das für Auswirkungen auf die arabische Welt haben? Goksel: Die Angst einflössende Stärke der israelischen Armee war ihre wichtigste Waffe gegenüber den arabischen Ländern. Dabei hat sich Israel selbst überschätzt: Sie rücken mit kleinen Einheiten in die Dörfer vor, weil sie auf ihre Gegner herabschauen. Die Hisbollah hat gezeigt, dass man vor Israels Streitkräften keine Angst mehr haben muss. Mit einer kleinen Truppe hat die Miliz die Israelis in die Ecke getrieben, und dadurch die Regeln des Spiels geändert. Das muss Israel gewaltig zu denken geben. SPIEGEL ONLINE: Israels erklärtes Ziel ist es, die Hisbollah zu zerschlagen. Ist das realistisch? Goksel: Man kann die Hisbollah nicht zerstören, denn sie ist eine Idee, nicht nur eine Miliz. Wenn man versucht, sie zu vernichten, wird sie nur noch radikaler. In dieser Weltgegend ist es enorm wichtig, die Menschen mit Würde und Respekt zu behandeln. Diese Leute sterben lieber aufrecht stehend, als auf den Knien zu leben. Man darf die Hisbollah nicht marginalisieren, nicht dämonisieren. Ihre Kämpfer Terroristen zu nennen, ist der größte Fehler. Man muss nicht direkt mit der Hisbollah reden, aber man muss ihr zuhören. SPIEGEL ONLINE: Wie lange wird es Ihrer Ansicht nach dauern, bis die Bedingungen für einen Waffenstillstand perfekt sind? Goksel: Ich gehe von mindestens einer Woche aus. Beide Seiten haben eine harte Haltung eingenommen, was einen Waffenstillstand angeht. Israel kann nicht einlenken, so lange es keine militärischen Erfolge vorzuweisen hat. Und die Hisbollah wird einer Friedenstruppe unter Nato-Mandat nicht zustimmen, weil das nicht nur einer Entwaffnung gleich käme, sondern auch eine De-facto-Besetzung des Libanon durch eine US-geführte Armee wäre. SPIEGEL ONLINE: Nasrallah wird in diesem Punkt also hart bleiben? Goksel: Machen Sie Witze? Er kann nicht, er wird einer solchen Truppe niemals zustimmen. Denn dann würden sich alle Fragen erübrigen, wozu die Hisbollah das Ganze gestartet hat. Der Vorschlag, Nato-Truppen in den Libanon zu entsenden ist nicht nur naiv, sondern auch dumm. Außerdem wüsste ich gern, wer dafür als Freiwilliger herhalten soll. Die Amerikaner und Engländer sind im Irak gebunden, und sonst sehe ich niemanden, der das machen wollen würde. SPIEGEL ONLINE: Was geschieht, wenn die Führungsspitze der Hisbollah durch einen israelischen Angriff getötet wird? Goksel: Wenn Hassan Nasrallah getötet wird, ist das ein Desaster für die westliche Welt. Dann wird die Hisbollah in Splittergruppen zerbrechen, die sich gegenseitig bekämpfen, dann ist alles möglich, auch ein Bürgerkrieg. Sollte Nasrallah umkommen, wird uns das früher oder später sehr Leid tun. Und selbst die Israelis werden ihn irgendwann vermissen. Das Interview wurde von Ulrike Putz in Beirut geführt. <<<<<< O >>>>>> http://www.jungewelt.de/2006/07-28/048.php 28.07.2006 / Ausland / Seite 3 In der eigenen Falle - Bombardierung des Libanon brachte Israel nicht den angestrebten Zielen näher Rainer Rupp Das Gefecht um das eher unbedeutende Dörfchen Bint Dschbail am Mittwoch knapp zwei Kilometer von der israelischen Grenze im Südlibanon, dürfte sich als der verlustreichste Tag in der Geschichte der israelischen Streitkräfte herausstellen. Zugleich unterstreicht die Episode nicht nur die Kampfkraft der Hisbollah, sondern auch, wie sehr der israelische Nachrichtendienst, der als besonders effizient gilt, in Bezug auf Fähigkeiten, Bewaffnung und Organisation der Hisbollah (!) versagt hat. In ersten israelischen Meldungen war von neun Toten die Rede, Soldaten und Offizieren der als Elitetruppe bekannten »Golani Brigade«. Spätere Berichte sprachen von zwölf Toten an einem einzigen Tag. Die Nachricht war für die Israelis ein Schock, waren sie doch bisher gewöhnt, mit so gut wie keinen eigenen Verlusten ganze Armeen arabischer Staaten gleichzeitig zu vernichten. Im Hinterhalt Laut Berichten aus Israel begann der Vorstoß der »Golanis«, unterstützt von Fallschirmjägern, gegen Bint Dschbail bereits am Montagmorgen. Dienstag Abend hatten sie sich soweit vorgearbeitet, daß sie außerhalb des Dorfes ihre Angriffspositionen einnehmen konnten. Um die Distanz von zwei Kilometern zurückzulegen, benötigten die Angreifer also fast zwei Tage. Da von Kämpfen unterwegs nicht berichtet wurde, muß es so lange gedauert haben, die Minenfallen der Hisbollah aus dem Weg zu räumen. Am Mittwoch gegen fünf Uhr morgens stürmten die »Golanis« Bint Dschbail von der Israel abgewandten Seite her und liefen prompt in einen Hinterhalt der Hisbollah. Bei diesen Nahkämpfen gab es die meisten israelischen Toten und Verwundeten. Das Gefecht dauerte etwa eine Stunde. Im Verlauf der nächsten drei Stunden stießen etliche Züge der israelischen Nachhut hinzu, um die in der Falle sitzenden Kameraden herauszuschlagen. Aber auch die israelische Verstärkung kam unter intensives Hisbollah-Feuer und wurde auf der Stelle festgenagelt. Die Hisbollah nahm die Angreifer mit panzerbrechenden Raketen und Werfergranaten unter Beschuß. Insgesamt 22 israelische Soldaten wurden verwundet, davon etliche schwer. Obwohl die Israelis schließlich durchbrechen konnten, sollte sich die Evakuierung der Verwundeten als besonders schwierig erweisen. Aus Angst vor den von der Schulter abgefeuerten Flugabwehrraketen der Hisbollah hatte sich das israelische Oberkommando Nord zunächst gegen den Einsatz von Kampfhubschraubern ausgesprochen. Die Verwundeten konnten aber nur mit Hubschraubern gerettet werden. Damit die Helikopter sicher landen konnten, schleppten die »Golanis« ihre Verwundeten zu Fuß zu einem Platz, der über einen Kilometer vom Kampfgeschehen entfernt lag. Sechs Stunden nach Gefechtsbeginn landeten vier »Blackhawk«-Hubschrauber einer nach dem anderen für knapp eine Minute am vereinbarten Ort, gerade lange genug, um die Verwundeten und Toten aufzunehmen und sofort wieder abzuheben. Aus Angst vor Hisbollah-Scharfschützen und Luftabwehrraketen hatten die Israelis den improvisierten Helikopter-Landeplatz hinter einer Nebelwand versteckt. Nach dem Rückzug begann die israelische Luftwaffe erneut aus großer Höhe mit der Bombardierung des Dorfes. Während der Kämpfe hatte sie keine Unterstützung für die Elitesoldaten am Boden geflogen, wahrscheinlich, weil die Gefahr zu groß war, eigene Truppen zu treffen. Laut Schätzung der israelischen Streitkräfte wurden bei dem Gefecht um Bint Dschbail auch mindesten 15 Hisbollah-Kämpfer getötet. Tel Avivs Dilemma Bint Dschbail war zwar der bisher blutigste Einsatz für die Israelis, aber er ist kein Einzelfall. Daher stehen die Aggressoren vor einem Dilemma. Die Luftwaffe hat mit ihren »strategischen« Angriffen auf Libanon so gut wie alle möglichen zivilen und militärischen Ziele »abgearbeitet«, aber ihre eigentlichen Ziele – die Bevölkerung gegen Hisbollah aufzubringen, die Raketenbasen der Hisbollah auszuschalten und die Hisbollah als Organisation zu vernichten – weit verfehlt. Die Hisbollah ist weder militärisch geschwächt (in Beantwortung israelischer Luftangriffe verschießt sie jeden Tag immer noch genauso viele Raketen wie zuvor) noch ist sie politisch angeschlagen. Als heldenhafter Verteidiger gegen die israelischen Aggressoren ist Hisbollah in der ganzen arabischen Welt zu einem Symbol des Widerstands und der Hoffnung geworden, sogar bei nicht wenigen libanesischen Christen, mit denen Hisbollah auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet gut zusammenarbeitet. Hisbollah hat die Luftschläge der Israelis absorbiert. Die Israelis können zwar noch mehr Wohnhäuser in Beirut zerstören, aber das macht jetzt noch weniger politischen oder militärischen Sinn als zuvor. Um nicht das Gesicht zu verlieren, bleibt der Olmert-Regierung nur noch die große Bodenoffensive, die sich aber bereits in ihren Ansätzen als Fleischwolf für Israels kostbare Soldaten erwiesen hat. Derweil werden in Israel zunehmend Stimmen laut, die sich des enormen politischen und wirtschaftlichen Schadens bewußt werden, den die Olmert-Regierung mit ihrem »Schuß aus der Hüfte« dem eigenen Land zugefügt hat. <<<<<< O >>>>>> www.jungewelt.de/2006/07-28/050.php 28.07.2006 / Ausland / Seite 3 Warum Israel verlieren wird Rainer Rupp Israel begann im Libanon einen Krieg gegen Hisbollah, dem mit großer Wahrscheinlichkeit die in der Region verbreitete Furcht vor seinem militärischen Apparat zum Opfer fallen wird. Parallelen zum Krieg der USA im Irak liegen nahe. Die Lehre für den gesamten Mittleren Osten und darüber hinaus wird sein, daß ein vom Volk getragener, gut ausgebildeter, organisierter und standhafter Widerstand im sogenannten asymmetrischen Kampf selbst von der besten Hightech-Armee nicht besiegt werden kann. Diese Lehre wird nicht nur für Israel, sondern auch für die US-Pläne von verheerender Wirkung sein. Deshalb dürfte es sich in dem derzeitigen Krieg nicht um die »Geburtswehen eines neuen Mittleren Ostens« handeln, wie US-Außenministerin Condoleezza Rice meint, sondern um einen Wendepunkt im Verhältnis Israels und seiner Schutzmacht USA zur arabischen Welt. Die Strategen in Washington und Israel sind sich dessen offensichtlich bewußt, denn sie beschwören die Akteure im Feld, daß »Israel gewinnen muß!« Ein Sieg Israels wird jedoch immer illusionärer. Hisbollah zu zerschlagen, und das aus der Luft, widerspricht der militärischen Logik. Hier wurde der Wunsch zur Strategie erhoben, was lediglich den Realitätsverlust der Planer in Jerusalem und Washington bezeugt. Sie gingen davon aus, daß die Libanesen den Israelis, die ihr Land in Schutt und Asche legen, aus Dankbarkeit den sehnlichsten Wunsch erfüllen, nämlich Hisbollah politisch und militärisch zu entmachten. Das Gegenteil ist der Fall. Auch Israel ist mittlerweile nicht entgangen, daß Hisbollah heute in Libanon so stark ist wie noch nie. (!) Jedenfalls hat die Olmert-Regierung ihre Kriegsziele schrittweise in der Hoffnung reduziert, nicht das Gesicht zu verlieren. Ursprünglich sollte die Aggression Tel Avis dazu dienen, Hisbollah als Organisation zu beseitigen. Später war von der Vernichtung des militärischen Arms der Hisbollah die Rede. Derzeit geht es nur noch um dessen Schwächung. Angesichts des erfolgreichen Hisbollah-Widerstands soll nun der neue sogenannte Sicherheitsstreifen, den Israel im Südlibanon einrichten wollte, laut Aussage von Generalmajor Benny Gantz, Kommandeur der israelischen Bodentruppen, am Donnerstag in der New York Times statt 30 Kilometer nur noch ein bis zwei Kilometer breit sein. Damit ist gleichgültig, was Israel jetzt noch unternimmt. Selbst wenn es seine Bombardements verstärkt, kann es seine Position gegenüber Hamas und Hisbollah nicht mehr verbessern, geschweige gegenüber Syrien oder Iran. Die Logik der Machtpolitik besagt, daß eine Situation, in der Israel nicht militärisch siegen kann, seine Niederlage bedeutet. Das Land unterhält die mit Abstand stärkste Militärmacht der Region. Wenn es ihm trotz gigantischer Gewaltanwendung nicht gelingt, dem Gegner seinen Willen aufzuzwingen, wird das seine Probleme vermehren, z. B. in den besetzten Gebieten. Hisbollah-Chef Hasan Nasrallah hat dieses Dilemma klar erkannt. In einem Interview mit Al Dschasira vom 22. Juli sagte er: »Wenn man bei der Verteidigung erfolgreich ist, ist das ein Sieg«. Er fuhr fort, daß »das Resultat der Schlacht um Libanon sich in Palästina zeigen« werde und verwies darauf, daß »der umfassende Widerstand in Palästina erst nach dem Sieg (der Hisbollah) im Libanon entstanden ist«. Auch Mosche Arens, der kriegsfreudige ehemalige Außen- und Verteidigungsminister, hat die Zeichen der Zeit erkannt. In der Zeitung Haaretz warnte er, daß Hisbollah womöglich ungeschlagen aus dem Konflikt hervorgehen könnte. Das wäre »ein Desaster für Israel«, denn Hisbollah-Chef Nasrallah würde in der ganzen Region als Held gefeiert, der sich ungestraft Israel widersetzt hat. <<<<<< O >>>>>> http://www.jungewelt.de/2006/07-28/030.php 28.07.2006 / Ausland / Seite 6 Vorhut der Invasoren: Kollaborateure des israelischen Geheim-dienstes in Libanon übermittelten Zieldaten an Bomber Jürgen Cain Külbel Libanesische Sicherheitskräfte haben 53 Personen verhaftet, »die mit dem Feind paktierten und ihm Informationen über spätere Ziele von Kampfjets und Kriegsschiffen des Gegners zukommen ließen«. Dies meldete die arabischsprachige Beiruter Zeitung Liwaa am Donnerstag. Die Tageszeitung Ad Diyyar hatte am Vortag berichtet, daß mehr als 70 mutmaßliche Agenten wegen des Verdachtes der Spionage für den israelischen Auslandsgeheimdienst inhaftiert worden sind. Allein 20 von ihnen seien in den südlichen Vororten von Beirut aufgegriffen worden, die im Zentrum der Bombenangriffe der letzten Tage und Wochen standen. »Eine der wichtigsten Personen des Netzwerkes«, so wußte die libanesische Tageszeitung Al Safir schon vergangenen Sonntag zu berichten, gab im Verhör an, Israel habe seine Streitkräfte bereits vier Tage vor der Gefangennahme zweier israelischer Soldaten durch die schiitische Hisbollah-Miliz in den Alarmzustand versetzt. Die Spionagezellen seien mit Richtlinien und Technologien versorgt worden. Auch habe man ihnen Informationen zu Zentren der Hisbollah-Partei auf dem gesamten libanesischen Territorium zukommen lassen. Eine »Schlüsselfigur des israelischen Geheimdienstes«, so das Blatt, habe nunmehr umfangreiche Aussagen über »ein großangelegtes Netzwerk« gemacht, das »aus bedeutenden israelischen Zellen in Beirut und in Südlibanon« bestand und schon über Jahre hinweg tätig gewesen war. Der Fernsehsender Al Arabia hatte am 20. Juli 2006 berichtet, daß die Spione dem israelischen Militär in Vorbereitung der Luftschläge »Informationen über weitere Ziele« gegeben hätten. Laut Liwaa benutzten die Agenten unter anderem phosphoreszierende Farben, damit die Kampfjets die zu zerstörenden Objekte ausmachen konnten. In libanesischen Sicherheitskreisen hofft man nun, daß die Geständnisse der Verdächtigen zur Enttarnung weiterer israelsicher Spionagezellen in Libanon führen. Es wäre nicht das erste Mal: Im Juni schon hatte der libanesische Militärgeheimdienst ein Netzwerk des Mossad zerschlagen, das in den vergangenen Jahren tödliche Bombenanschläge gegen hochrangige Mitglieder des palästinensischen Widerstandes und gegen Hisbollah-Offizielle verübt hatte. Besonders pikant: Der momentane Chef des Mossad, Meir Dagan, hatte einen der Köpfe der in Libanon agierenden Zellen höchstpersönlich rekrutiert. Die Agenten stammen größtenteils aus Resten der ehemaligen südlibanesischen Armee, die bereits im 15jährigen Bürgerkrieg mit Israel kollaboriert hatte. Der libanesische Außenminister Faouzi Salloukh hat sich erst unlängst erbost, weil die UNO die Festnahme dieser Spione noch nicht einmal in ihren Monatsbericht aufgenommen hatte. Jeffrey Feltman, US-Botschafter in Beirut, hatte jedoch Druck auf Libanons Premier Fouad Siniora ausgeübt. Die US-libanesischen Beziehungen würden sich erheblich verschlechtern und Militärhilfe würde gestrichen werden, falls die Regierung von ihrem Vorhaben nicht Abstand nehme, den Spionageskandal aufzuklären, so Feltman. <<<<<< O >>>>>> http://www.jungewelt.de/2006/07-27/043.php 27.07.2006 / Ausland / Seite 6
Power-Point-Inszenierung
Jürgen Cain Külbel Israel war für den Angriff auf Libanon wohl präpariert. Das meint nicht nur Gerald Steinberg, der am 21. Juli feststellte: »Von allen Kriegen, die Israel seit 1948 führte, ist es der (gegen Libanon), auf den es am besten vorbereitet war.« Die spektakulären Äußerungen des Professors für Politik an der Bar-Ilan Universität nahe Tel Aviv scheinen auch angesichts der ausdauernden, geplant wirkenden Offensive der Armee Israels einleuchtend. Steinberg, Mitarbeiter sowohl des israelischen Außenministeriums als auch des »Nationalen Sicherheitsrats«, präzisierte: »In gewissem Sinne begann die Vorbereitung im Mai 2000, gleich nachdem sich die Israelis (aus Libanon) zurückgezogen hatten. Im Jahr 2004 war die auf eine Dauer von drei Wochen angelegte militärische Kampagne, die wir jetzt sehen, bereits entworfen, und in den vergangenen ein oder zwei Jahren wurde sie simuliert und im Sandkasten geprobt.« Der Jerusalem-Korrespondent des San Francisco Chronicle bestätigte inzwischen die Einschätzung des Experten aus Tel Aviv. Matthew Kalman: »Vor über einem Jahr begann ein höherer israelischer Armeeoffizier, US- und anderen Diplomaten, Journalisten und Think Tanks nicht für die Öffentlichkeit bestimmte PowerPoint-Vorführungen zu präsentieren, die den Plan für die jetzige Operation in aufschlußreichen Details inszenierten.« Die Identität des Mannes, so Kalman, wurde geheim gehalten. Der Militär stellte Planungen für eine »dreiwöchige Kampagne« gegen Libanon vor: »Die erste Woche konzentriert sich auf die Zerstörung der schweren und weitreichenden Raketen der Hisbollah, das Zerbombens der Kommando- und Kontroll-zentren und die Durchtrennung der Transport- und Kommunikationsverbindungen. In der zweiten Woche richtet sich der Fokus auf Angriffe gegen einzelne Lokalitäten mit Abschuß-rampen für Raketen oder Waffenlager. In der dritten Woche werden Bodentruppen in großer Zahl eingeführt … um Ziele auszuschalten, die während der Erkundungsmissionen entdeckt werden.« Nahezu zeitgleich mit der Gefangennahme zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah am 12. Juli begann der Angriff auf Libanon. AFP meldete damals, daß die Soldaten »nach Angaben der libanesischen Polizei auf libanesischem Territorium gefangen genommen« wurden. Dieses sei im Gebiet von Aïta Al-Chaab geschehen. Und das französische Voltaire-Network ermittelte, »Tsahal (die israelische Armee) habe vorsätzlich ein Kommando in das libanesische Hinterland bei Aïta Al Chaab geschickt. Dort wurde es von der Hisbollah angegriffen. Israel hat (danach) vorgetäuscht, daß es überfallen wurde und griff den Libanon an.« Daß es eine Planung für den Angriff auf Libanon gab, behauptete am 22. Juli auch der Exagent des US-Geheimdienstes NSA, Wayne Madsen: »Die Invasion wurde am 17. und 18. Juni in Beaver Creek, Colorado, zwischen Israels ehemaligem Premier Benjamin Netanjahu, dem Knesset-Mitglied Nathan Sharansky und US-Vizepräsident Dick Cheney während einer Konferenz des (neokonservativen) American Enterprise Institute abgesprochen«. Cheney habe »grünes Licht gegeben. Netanjahu flog laut Maden zurück nach Israel und nahm an einem Meeting teil, wo er die »Unterstützung der Bush-Administration« signalisierte. <<<<<< O >>>>> |
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