Hintergründe der UNO Vollversammlung:
 Eine durch die U$A frustrierte Welt der Armen

Reaktion einer "zivilisierten"(?) Welt

 

Zwischenfall am Flughafen (Quelle: T-Online-Nachrichten 25.9.2006)

USA halten Venezuelas Aussenminister fest

US-Sicherheitsbeamte haben am Samstag den venezolanischen Aussenminister Nicolas Maduro nach dessen Aussagen mehr als anderthalb Stunden auf dem New Yorker Flughafen festgehalten. Er sei auf seiner Heim-reise von der UN-Vollversammlung schikaniert und bedroht worden, berichtete Maduro. Ausserdem hätten die Beamten seinen Pass und sein Flugticket eingezogen. Das US-Aussenministerium entschuldigte sich bei dem Minister und der Regierung in Caracas.

Venezuelas Chefdiplomat Maduro wurde mit Schlägen gedroht
Anlass für den Zwischenfall war offensichtlich, dass Maduro nach einer Sicherheitskontrolle einen bereits über-prüften Gegenstand wieder an sich nehmen wollte. Das habe ihm das Personal verweigert. Dem Minister zufolge verschlimmerte sich die Situation noch, nachdem er sich als Venezuelas Chefdiplomat zu erkennen gegeben habe. "Sie fingen an, mich zu beschimpfen und zu schreien. Dann brachten sie einen Polizisten und begannen, uns Schläge anzudrohen." Als Vertreter des US-Aussenministeriums eintrafen, habe er zunächst aufgeatmet: "Doch dann befahlen sie uns, Beine und Arme auszubreiten, damit die Polizei uns durchsuchen kann." Erst eine Delegation unter Leitung des venezolanischen UN-Botschafters Francisco Arias Cardenas habe ihn wieder freibekommen, sagte Maduro.

Verdacht "terroristischer Aktivitäten"
Die US-Beamten am Flughafen hätten ihn zudem wegen seiner angeblichen Teilnahme am missglückten Putschversuch im Jahr 1992 "terroristischer Aktivitäten" bezichtigt. Der BBC zufolge soll Maduro wegen dieser Frage einem Metalldetektortest unterzogen worden sein, den er nicht bestand. Daraufhin wurde ihm der Pass entzogen. "Jetzt habe ich keine Papiere mehr und kann nicht reisen", empörte sich der Minister in dem Inter-view. US-Einwanderungsbeamte hätten ihm erklärt, dass er durch einem Vermerk in seinen Unterlagen als "Fast-Terrorist" abgestempelt war.

"Beschämende Situation"
Der Aussenminister sprach von einer "beschämenden Situation" und einem "Angriff auf internationales Recht". UN-Generalsekretär Kofi Annan hat bereits ein Team von Anwälten auf den Vorfall angesetzt. Der Lateiname-rika-Experte im US-Aussenministerium, Thomas Shannon, reagierte in einem Telefonat befremdet.

USA bedauern "Zwischenfall"
Der Sprecher im US-Aussenministerium, Gonzalo Gallegos, bestätigte und bedauerte den "Zwischenfall". Die US-Regierung habe sich bei Maduro und der venezolanischen Regierung entschuldigt. Dagegen hatte ein Spre-cher im Heimatschutzministerium zunächst die Vorwürfe des Ministers zurückgewiesen. Maduro sei lediglich zu einer zusätzlichen Sicherheitskontrolle gebeten worden. Es gebe keine Belege dafür, dass er "angegriffen, fest-genommen oder in Gewahrsam genommen wurde, noch wurden seine Reisepapiere beschlagnahmt". Ein Mit-arbeiter des Weissen Hauses in Washington sagte CNN, die Beamten hätten nicht gewusst, wen sie sich vor sich hatten. Maduro hätte eine zweite Überprüfung verweigert. Dies habe zu dem Zwischenfall geführt.

Zusammenhang mit Chávez-Rede?
Venezuelas Vize-Präsident José Vicente Rangel bezeichnete die Behandlung des Ministers als "unerhörten Angriff" und stellte sie in Zusammenhang mit Chávez' Schimpfkanonade während der UN-Vollversammlung. In einer Rede hatte dieser US-Präsident George W. Bush unter anderem als "Teufel", "Lügner" und "Tyrannen" bezeichnet.

Supermacht am Pranger
Venezuelas Präsident Huga Chávez sprach vom Teufel. Sein bolivianischer Amtskollege Evo Morales schimpfte US-Präsident George W. Bush einen Neokolonialisten. Selbst Costa Ricas Präsident Oscar Arias Sánchez warf den USA in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in New York "abgrundtiefe Irrationalität" vor. Die derzeitige Generaldebatte von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt trägt deutlich mehr anti-amerikanische Untertöne als die vergangener Jahre.

Angst vor dem Untergang
Kritisiert wird der Irakkrieg und die Rolle der USA im Nahen Osten. Viele sind verbittert über "unfaire" Handels-bedingungen. Die ärmsten Staaten klagen, dass das reichste Land der Welt ihnen nicht mehr Beistand bietet. Dass Washington nur vier Prozent seiner Rüstungsausgaben für Entwicklungshilfe hergibt. Kleine Inselstaaten sehen ihre Existenz durch den steigenden Meeresspiegel gefährdet - eine Folge der globalen Erwärmung, an der Amerika als grösster Energieverbraucher massgeblich beteiligt ist.

Imperialistische Strategien auf der Bestsellerliste
120 der 192 UN-Mitgliedstaaten ergriffen in der ersten Woche das Wort. Die traditionelle Aussprache, eine Art Kummerkasten der Welt, wird noch bis Mittwoch fortgesetzt. Hier staunten und klatschten die Delegationen kräftig, als Chávez den US-Präsidenten als "Teufel persönlich" beschimpfte. Hier bekreuzigte sich der venezo-lanische Regierungschef und empfahl den Amerikanern, bei Noam Chomsky über die imperialistischen Strate-gien ihrer US-Regierung nachzulesen: Das Buch des regierungskritischen Amerikaners stieg seit der Rede von Chávez auf Platz eins der Amazon-Bestsellerliste.

Unsichere Welt
"Milliarden armer Menschen verlieren die Geduld, weil ihr Hunger sie nachts nicht schlafen lässt", warnte Süd-afrikas Präsident Thabo Mbeki die Vollversammlung. Costa Ricas Präsident Sánchez hielt Washington vor: "Seit dem 11. September 2001 sind zusätzliche 200 Milliarden Dollar in die globale Rüstung geflossen, und das ohne auch nur einen Indikator dafür, dass die Welt seitdem sicherer ist."

Vision einer neuen Ordnung
Papua Neuguineas Ministerpräsident Sir Michael T. Somare kreidete den USA und anderen Industrieländern an, die Bedingungen für den globalen Handel so festgeschrieben zu haben, dass diese ihren Vorsprung noch ver-grössern. Der Leiter der kubanischen Delegation, Esteban Lazo, rief die Blockfreien Staaten auf, "den irrationalen Versuchen der Supermacht USA, die die Erde kontrollieren will, zu trotzen." Irans Präsident Mahmud Ahmadi-nedschad bot seine Vision einer neuen Weltordnung an, die den Einfluss der USA unter anderem bei den Ver-einten Nationen empfindlich einschränken würde.

Anti-amerikanische Untertöne
Washingtons UN-Botschafter John Bolton, der seine Zweifel an der Weltorganisation schon häufig klar zum Ausdruck gebracht hatte, sieht sich durch Angriffe auf Washington bestätigt. Die anti-amerikanischen Untertöne würden der Bevölkerung endlich die wahre Gesinnung der Vereinten Nationen zeigen, sagte er der Presse. "Wenn die Länder ihren Gefühlen hier freien Lauf lassen, liegt das wohl daran, dass sie an diesem Ort Beloh-nung dafür erwarten können", sagte Bolton zu den Verbal-Attacken von Chávez und Morales.

"Ein gutes Geschäft"
Dagegen reagierte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg ganz pragmatisch. Man dürfe nicht vergessen, dass die Delegationen aus aller Welt reichlich Geld in die Stadt trügen. "Das ist ein gutes Geschäft für uns".

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