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Entscheidungsschlacht in Washington: Amtsenthebung oder neuer Krieg?
Entscheidungsschlacht in Washington:
Amtsenthebung oder neuer Krieg?
Aus der Neuen Solidarität Nr. 5/2007
Von Helga
Zepp-LaRouche
In Washington
ist eine politische Entscheidungsschlacht im Gang: Werden Vizepräsident
Cheney und Präsi-dent Bush ihre Pläne für einen Angriff auf den Iran
verwirklichen, oder legt ihnen der Kongreß das Handwerk, bevor sie es tun?
Insbesondere Cheney steht unter Druck, da das Gerichtsverfahren gegen
seinen früheren Stabschef Lewis Libby angefangen hat, und er als Zeuge
über seine Rolle in der Valerie-Plame-Affäre aussagen soll.
In Washington
tobt in diesen Tagen eine Entscheidungsschlacht, die viel dramatischer und
existentieller ist, als es die Bürger in Deutschland dank der
kontrollierten Medienberichterstattung auch nur annähernd mitbekom-men. Es
geht buchstäblich um die Frage, wer sich schneller durchsetzen kann: die
Regierung Bush/Cheney, die trotz des massiven Widerstands im Kongreß und
im Senat mit einer Verstärkung der Truppen im Irak um 21´000 Soldaten die
Rahmenbedingung für einen Militärschlag gegen den Iran schaffen will, oder
die institutio-nellen Kräfte, die wie Lyndon LaRouche oder der ehemalige
General Odom der Ansicht sind, daß nur ein doppeltes Absetzungsverfahren (Impeachment)
gegen Bush und Cheney einen neuen Krieg gegen den Iran verhindern kann.
Motiviert wird dieser überparteiliche Widerstand durch die Erkenntnis, daß
die Bush/Cheney-Politik des permanenten Krieges der strategischen Position
der USA schon jetzt irreparablen Schaden zugefügt hat und eine Fortsetzung
dieser Politik die USA selbst gefährdet, vergleichbar der Rolle, die der
Peloponnesische Krieg beim Untergang des klassischen Griechenland gespielt
hat.
Flut von Anträgen gegen den Krieg im
Kongreß
Massiver
überparteilicher Widerstand gegen die Kriegspolitik von Bush und Cheney
kommt in diesen Tagen von Demokraten und einer schnell wachsenden Anzahl
von Republikanern im Repräsentantenhaus und im Senat. Allein gegen die
Gefahr eines neuen Krieges gegen den Iran wurden in den beiden Kammern des
Kongresses insgesamt vier Resolutionen eingebracht, während Vizepräsident
Cheney gleichzeitig erklärt, das Weiße Haus werde alle diese Resolutionen
ignorieren. Diese Resolutionen, die vom republikanischen Abgeordneten Ron
Paul (Texas), vom demokratischen Senator Robert Byrd (Westvirginia), vom
demokratischen Abgeordneten Peter DeFazio (Oregon) und dem
republikanischen Abgeordneten Walter Jones (North Carolina) eingebracht
wurden, berufen sich alle auf das verfassungsmäßige Recht des Kongresses,
ohne dessen Mandat das Weiße Haus keine Militäroperationen unternehmen
darf.
Weitere
überparteiliche Gesetzesvorlagen und Resolutionen gegen die von Bush am
10. Januar angekündigte Verstärkung der Truppen im Irak um 21´000
Soldaten, für die Annahme der Vorschlage des Baker-Hamilton-Berichts, u.a.
sofortige diplomatische Verhandlungen mit Iran und Syrien aufzunehmen, für
die Rücknahme der Autorisierung zum Krieg im Irak und einen Truppenabzug
innerhalb der nächsten sechs Monate wurden von den einflußreichen
demokratischen Senatoren Joseph Biden (Delaware), Carl Levin (Michigan),
Byrd, Christopher Dodd (Connecticut) und Hillary Clinton (New York), den
republikanischen Senatoren Chuck Hagel (Nebraska) und John Warner
(Virginia), dem republikanischen Abgeordneten Wayne Gilchrist (Maryland)
u.a. auf die Tagesordnung gesetzt.
Zu den
stärksten Erklärungen gehörte die Äußerung des demokratischen
Mehrheitsführers im Senat, Harry Reid, am 19. Januar vor dem Nationalen
Presseclub: „Die Zeit, in der der Kongreß die Politik des Weißen Hauses
nur abgenickt hat, ist vorüber. Und ebenso wie wir überzeugt sind, daß der
Präsident im Irak die falsche Richtung eingeschlagen hat, sind wir
zunehmend überzeugt, daß er in Afghanistan und im Iran in die falsche
Richtung geht. Afghanistan ist in Gefahr, uns zu entgleiten. Und trotzdem
gibt es Berichte, daß der Präsident Truppen von Afghanistan in den Irak
verlegen will. Das ist ein furchtbarer Fehler… Es wurde viel Aufhebens
gemacht über das Säbelrasseln Präsident Bushs gegenüber dem Iran. Ich
möchte heute morgen sehr deutlich sein: Der Präsident hat nicht die
Befugnis, Militäraktionen gegen den Iran zu lancieren, ohne zuvor die
Zustimmung des Kongresses einzuholen. Die bisherige Resolution für den
Einsatz von Gewalt im Irak gibt ihm diese Befugnis nicht.”
Der ehemalige
General Barry McCaffrey bezeichnete Bushs Pläne für einen Krieg gegen den
Iran in einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats als „reinen
Wahnsinn”. Falls diese Pläne ausgeführt würden, wäre dies der größte
strategische Mißgriff, den die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt
habe. Und Senator Jay Rockefeller, der neue Vorsitzende des
Geheimdienstausschusses des Senats, erklärte in einem Interview gegenüber
der New York Times, er befürchte, daß die Regierung es genau so wie
im Falle des Iraks machen wolle, nämlich ohne kompetente
nachrichtendienstliche Erkenntnisse einen Angriff auf den Iran
vorzubereiten.
Falls Bush
und Cheney dennoch bei ihrer erklärten Absicht bleiben, die zusätzlichen
Truppen in den Irak zu senden, könnte dies in kürzester Zeit zu einer
Verfassungskrise in den USA führen. Nach Ansicht des Militär-analysten Pat
Lang stellen die diversen Resolutionen und Gesetzesvorlagen bereits jetzt
eine „Impeachment-falle“ dar. Wie dringend die Lage allerdings ist, wurde
erneut durch die von der Washington Post vermeldete Anordnung Bushs
unterstrichen, der die US-Streitkräfte im Irak angewiesen hat, Iraner, die
sich im Irak aufhal-ten, unter dem Vorwand, sie würden die Aufständischen
unterstützen, zu töten oder zu kidnappen. Aus der angeblichen iranischen
Unterstützung für Angriffe auf US-Soldaten könnte dann schnell das
Argument für einen Angriff auf den Iran konstruiert werden.
Eine äußerst
wichtige Initiative ist nun von dem Kongreßabgeordneten Gregory Meeks aus
New York gekom-men, der mit einer Gruppe von Abgeordneten einen Dialog mit
einer vergleichbaren Gruppe von iranischen Parlamentariern beginnen will
und auch eine Reise nach Teheran vorbereitet. Lyndon LaRouche hat diese
Initiative voll und ganz unterstützt.
Plame-Affäre holt Cheney ein
In dieser
hochangespannten Lage in Washington kommt der Druck vor allem auf Cheney
nun plötzlich noch aus einer anderen Ecke. Der seit langem von
Sonderermittler Fitzgerald vorbereitete Prozeß gegen Cheneys frühe-ren
Stabschef Lewis Libby hat soeben begonnen. Libby ist angeklagt, eine Grand
Jury belogen zu haben. Dabei geht es um den allem Anschein nach von Cheney
angeordneten Geheimnisverrat, durch den der Name der CIA-Geheimagentin
Valerie Plame, der Ehefrau des ehemaligen Botschafters Joe Wilson, in die
Medien lanciert wurde. Dabei handelte es sich allem Anschein nach um einen
Racheakt Cheneys, den der Bericht Wilsons geärgert hatte, daß die
Berichte, Saddam Hussein habe in Niger „yellowcake” (angereichertes Uran)
gekauft, jeglicher Grundlagen entbehrte. Diese Geschichte hatte seinerzeit
als entscheidendes Argument für die angebliche Existenz von
Massenvernichtungswaffen des Irak gedient.
Nun ist ein
bisher verschollenes, von Cheney verfaßtes Memorandum aufgetaucht, in dem
Cheney genaue Anweisungen gab, welche Formulierungen über Valerie Plame
gegenüber den Medien verwendet werden sollten. Und ganz Washington fragt
sich, warum eigentlich Libby und nicht Cheney selbst auf der Anklagebank
sitzt. Auf jeden Fall wird Cheney demnächst als Zeuge unter Eid vernommen
werden. John Nichols schrieb jetzt in der Zeitung The Nation, diese
bevorstehende Zeugenaussage werde die Frage des Impeachments wieder auf
die Tagesordnung bringen.
Nichols ist
der Autor des kürzlich erschienen Buches Das Genie des Impeachments:
Die Medizin der Gründer-väter gegen Royalismus, und er lobt auch das
Vorgehen des Abgeordnetenhauses von New Mexico, das bereits vor Wochen
eine Petition verabschiedet hatte, die den Kongreß auffordert, ein
Absetzungsverfahren gegen Cheney einzuleiten. Die gültige Rechtsgrundlage
dafür sei ein Handbuch von Thomas Jefferson über die „Parlamentarische
Praxis und Regeln für den Kongreß”, das noch heute von den Abgeordneten zu
Rate gezogen werde. Darin würden u.a. die fünf Wege aufgezeigt, auf denen
Impeachmentverfahren eingeleitet werden können - einer davon sei die
Petition eines Abgeordetenhauses eines der 50 Staaten der USA, aber
natürlich auch Anklagen, die vor dem Plenum des Kongresses selbst erhoben
werden.
Aber es wird
auch in anderer Hinsicht äußerst ungemütlich für Dick Cheney. So hat der
Abgeordnete John Conyers, der neue Vorsitzende des Justizausschusses,
bereits einen Bericht vorbereitet, in dem 23 verschie-dene Vergehen
aufgezählt werden, die Bush und Cheney in den ersten sechs Jahren ihrer
Amtszeit begangen haben. Conyers’ Ausschuß hat sich schon seit langem mit
der Untersuchung dieser Vergehen beschäftigt, aber erst jetzt ermöglichen
die neuen Mehrheitsverhältnisse im Kongreß die Vorladung von Zeugen, die
Anforderung geheimer Unterlagen etc. Zu den Vergehen Cheneys, die bereits
ausführlich dokumentiert sind und weiter untersucht werden, gehören die
Fabrikation der Lügen, mit denen der Kongreß getäuscht wurde, um dessen
Zustimmung zum Irakkrieg zu erschwindeln. Weitere Vergehen betreffen das
illegale Ausspionieren amerikani-scher Bürger, die von der Genfer
Konvention verbotene Folter, die vermutete Veruntreuung von Steuergeldern
durch den Konzern Halliburton beim Wiederaufbau im Irak und Cheneys
verschwiegene Beziehung zu dieser Firma. Es ist in der Tat eine lange
Liste, und Eingeweihte dürften Recht haben, daß es sich bei Watergate
vergleichsweise um „peanuts” handelte.
Die Rolle der LaRouche-Bewegung
Vom Ausgang
dieser Schlacht in Washington hängt mehr ab, als nur das Schicksal von
Bush und Cheney, es ist eine Frage von Krieg und Frieden für die ganze
Welt. Und trotz aller wichtigen diplomatischen Bemühungen in der Region
weiß jeder, daß die drohende Kriegsgefahr nur aus den USA selbst, von
inner her, gestoppt werden kann. Deshalb ist die Arbeit der
LaRouche-Jugendbewegung (LYM), die in mehreren Aktionswochen in Washington
viel dazu beigetragen hat, dem Kongreß die Dringlichkeit des Widerstandes
gegen die Kriegspolitik klarzumachen, von größter strategischer Bedeutung.
Die LYM hat auch in Hunderten von Gesprächen mit Kongreßabgeordneten,
Senatoren und Mitgliedern ihrer Stäbe viel dazu beigetragen, daß die
programmatischen Vorschläge von Lyndon LaRouche jetzt in den
entsprechenden Ausschüssen studiert werden. Es geht dabei vor allem um das
sogenannten Gesetz zum Wiederaufbau der Wirtschaft (Economic Recovery Act,
ERA) und den Entwurf für einen Investitionshaushalt.
Washington ist
in diesen Wochen die Bühne, auf der das große Schicksal der Menschheit
entschieden wird, wie Friedrich Schiller sagen würde. Das Beste, was wir
in Deutschland und in Europa tun können, ist es, diese Arbeit von LaRouche
und der LYM zu unterstützen. Denn unsere eigene Zukunft hängt von ihrem
Erfolg ab.
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