Der G8-Weltgipfel in Heiligendamm
(Report 1)

Hier folgen zuerst die „offizielle Darstellung“ des G-8-Gipfels,
- dann die wirklichen Tatsachen, aus zuverlässigen Quellen

 

Quelle: www.oe24.at/zeitung/welt/weltpolitik/

Heiligendamm, 06. Juni 2007

Schlagstöcke, Steine, Tränengas.

Der Auftakt zum G-8-Gipfel in Deutschland wurde - wie befürchtet (oder etwa: „Wie erwünscht?“...; tst) - zur Schlacht zwischen Polizei und Demonstranten.

Klima, Afrika, Terror-Abwehr. Heute startet das 100 Millionen Euro teure Polit-Spek-takel G8 in Heiligendamm. Die acht Mächtigsten der Welt an einem Tisch.

Aber der Krawall ist da, noch ehe der Gipfel begonnen hatte. An der Sicherheitsschleuse unmittelbar am Zaun in Vorder Bollhagen spielen sich dramatische Szenen ab, schreibt ein Reporter von "Spiegel online", der live vor Ort ist. Autonome bewerfen die Sicherheitskräfte am Kontrollposten mit Steinen. Die Polizei geht mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Randalierer vor.

Tagungsgelände nur übers Meer erreichbar

Mehrere tausend Globalisierungsgegner haben die Zugänge zum Tagungsort blockiert. Die Demonstranten drangen bis zum Sicherheitszaun rund um Heiligendamm vor und liessen sich vor den Kontrollstellen an den beiden Zufahrten nieder. Damit war das Tagungsgelände nicht mehr auf dem Landweg zu erreichen. Nachdem die Aktion über mehrere Stunden hinweg friedlich verlaufen war, entstand am Nachmittag Unruhe. Mehrere Demonstranten hätten sich mit Molotowcocktails bewaffnet, sagte ein Polizeisprecher. Unterdessen bestätigte das Bundesverfassungsgericht das Verbot des für Donnerstag geplanten Sternmarsches in Heiligendamm sowie einer NPD-Demonstration in Rostock.

Rechtswidrige Handlungen

Der Polizeisprecher verwies darauf, dass die Blockadeaktionen wegen des gerichtlich verhängten Demonstrationsverbotes in dem Areal um den Sicherheitszaun rechtswidrig seien. Sollte die Versorgung des G-8-Gipfels beeinträchtigt werden, werde die Polizei "Massnahmen" ergreifen. Die Demonstranten kündigten an, die Blockade bis zum Ende des G-8-Gipfels am Freitag fortzusetzen. "Solange der Gipfel läuft, wird hier blockiert", sagte der Koordinator des globalisierungskritischen Netzwerks Attac, Sven Giegold, mit Blick auf die Blockade der Kontrollstelle Rennbahn durch mehrere tausend Demonstranten. Er wertete die Aktion als Erfolg.

Wasserwerfer und Tränengas

Auch an anderen Stellen kam es zu Sitzblockaden, die Polizei setzte zeitweise Wasserwerfer und Tränengas ein. Bereits am Morgen hatten Demonstranten die Autobahn A 19, die unmittel-bar am Flughafen Rostock-Laage vorbeiführt, blockiert. Strassenblockaden, die zum Teil aus abgesägten Baumstämmen bestanden, gab es der Polizei zufolge ausserdem bei Bad Dobe-ran, Kühlungsborn und Reddelich. Dort befindet sich eines der Camps der Globalisierungs-gegner.

9’000 Demonstranten

Nach Polizeiangaben nahmen rund 9000 Menschen an den Aktionen rund um den Sicherheits-zaun teil. Zu einem Wasserwerfereinsatz kam es der Polizei zufolge bei einer Sitzblockade nahe des Ortes Rethwisch. Laut Polizei wurden bis zum Nachmittag insgesamt acht Polizisten verletzt, 88 Personen wurden festgenommen und 23 in Polizeigewahrsam genommen.

Molli-Bahn blockiert

G-8-Gegner blockierten auch die so genannte Molli-Bahn, mit der Journalisten zum Tagungsort fahren sollten. Nach Angaben eines Regierungssprechers wurden die Medienvertreter schliess-lich per Boot zum Tagungsort gebracht. Für die Delegationen der einzelnen G-8-Staaten sei dies aber nicht notwendig. Sie seien entweder ohnehin schon vor Ort oder würden per Hub-schrauber nach Heiligendamm geflogen. Die Deutsche Bahn stellte auch den regulären Zug-verkehr zwischen Rostock und Bad Doberan ein. Dies geschah offensichtlich aus Sicherheits-gründen.

Sternmarsch verboten

Das deutsche Bundesverfassungsgericht entschied, angesichts der Sicherheitsrisiken und der gewalttätigen Auseinandersetzungen dürfe der Sternmarsch nicht innerhalb der einige Kilometer breiten Demonstrationsverbotszone rund um den Sicherheitszaum stattfinden. Damit scheiterte eine Eilklage der Organisatoren des für Donnerstag geplanten Sternmarsches.

Versammlungsverbot nach Krawallen

Nach Auffassung der Karlsruher Richter rechfertigen die gewalttätigen Auseinandersetzungen vom vergangenen Samstag in Rostock ein absolutes Versammlungsverbot innerhalb des Sich-erheitszaunes und in der umliegenden Verbotszone. In einer weiteren Entscheidung bestätigte das Bundesverfassungsgericht eine für Donnerstag in Rostock geplante Kundgebung der rechtsextremen NPD endgültig. Zur Begründung hiess es, das Verbot sei durch die von der Polizei geltend gemachten Sicherheitsinteressen gerechtfertigt.

Mittagessen Bush-Merkel

Erster Höhepunkt im norddeutschen Badeort Heiligendamm: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel traf gegen 13 Uhr zum Mittagessen mit US-Präsident George W. Bush zusam-men. Bei dem Essen mit Bush wurden die Kompromissmöglichkeiten in den schwierigen Ver-handlungen über den Klimaschutz ausgelotet. Merkel beschrieb ihr 75-minütiges Gespräch mit Bush als "recht gut und erfolgreich". Sie seien gemeinsam die gesamte Agenda des Gipfel-treffens durchgegangen, "und wir haben ein hohes Mass an Übereinstimmung festgestellt", sagte die Kanzlerin.

Streitpunkt Klimaziele

Noch vor dem eigentlichen Start des Gipfels hat sich im Streitpunkt "Klimaziele" bereits ver-schärft: Die USA und Deutschland haben für den G-8-Gipfel offenbar keine Einigung über ver-bindliche Ziele im Kampf gegen die Klimaerwärmung erzielen können, so die Worte des Chef-Umweltberater von US-Präsident George W. Bush, James Connaughton am Mittwoch. Der britische Premier Tony Blair gibt jedoch noch Hoffnung: Er sieht sich in der Lage, US-Präsident George W. Bush zur Annahme von konkreten Zielen zur Reduzierung von Treibhausgasen bewegen zu können.

Per Helikopter nach Heiligendamm

US-Präsident George W. Bush ist bereits am Dienstagabend auf dem Flughafen Rostock-Laage eingetroffen. Nach der Landung seiner "Air Force One" reist er mit einem Helikopter der US-Streitkräfte zum 15 Kilometer Luftlinie entfernten Tagungsort nach Heiligendamm weiter. Bush wurde mit militärischen Ehren empfangen, abgeschirmt von den zahlreichen Demonstran-ten, die ihm einen mehr oder minder schönen Empfang bereiten wollten. Der Flughafen war weiträumig abgesperrt und wurde von einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften gesich-ert. Nach Angaben der Polizei protestierten einige hundert Menschen an einer Zufahrtsstrasse zum Flughafen gegen Bushs Politik.

Putin reist als Letzter an

Als zweiter Teilnehmer des G-8-Gipfels ist Mittwoch Vormittag EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Deutschland eingetroffen. Er wurde auf dem Flughafen Rostock-Laage vom Ministerpräsidenten Mecklenburg-Vorpommerns, Harald Ringstorff, begrüsst. Kurz darauf traf auch der japanische Premierminister Shinzo Abe in Heiligendamm ein. Er vertritt sein Land zum ersten Mal im Kreis der Staats- und Regierungschefs. Im Laufe des Tages sind die Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Grossbritannien, Italien, Kanada, Japan und Russland in dem Ostseebad eingetroffen. Als letzter Teilnehmer soll der russische Präsident Wladimir Putin gegen 17.00 Uhr eintreffen.

US-Raketenschild: Bush trifft Putin

Der russische Präsident wird schon mit Spannung erwartet: Die Beziehungen zwischen den USA und Russland sind derzeit angespannt - nicht zuletzt wegen der US-Pläne, in Osteuropa ein Raketenabwehrsystem zu installieren. Am Dienstag appellierte Bush direkt an den russi-schen Präsidenten: "Wladimir, Du solltest keine Angst vor einem Raketenabwehrsystem ha-ben." Er freue sich bereits auf das Treffen mit Putin und denkt, dass er ihn von seinen Plänen überzeugen wird.

Empfang im Schloss

Am Mittwochabend beginnt dann der "offizielle" Gipfel von Heiligendamm - allerdings nicht in Heiligendamm selbst, sondern 25 Kilometer südlich. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Mann Joachim Sauer führen die Gipfelteilnehmer und ihre Partner ins idyllische Schloss Hohen Luckow aus. Vor dem Abendessen im Rittersaal wird den Staats- und Regie-rungschefs eine musikalische Einlage geboten: Eine Violinistin und ein Pianist der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern spielen Bach, Beethoven und Mendelssohn-Bartholdy.

Polit-Programm ab Donnerstag

Am Donnerstag geht es dann erst so richtig los: Die erste Arbeitssitzung am Donnerstag ist den Themen Weltwirtschaft und Schwellenländer gewidmet. Dann folgt das traditionelle Familien-foto. Dafür wurden sicherheitshalber zwei Positionen geplant: Für schönes Wetter soll die Grün-fläche vor dem Kurhaus von Heiligendamm herhalten, bei schlechtem Wetter zieht man sich in das Foyer des Luxushotels Kempinski zurück. Beim Mittagessen stehen dann aussenpolitische Themen wie etwa die Anti-Terror-Bekämpfung und der Irak-Einsatz auf dem Plan.

So wird das Treffen der G-8 in Heiligendamm ablaufen:

Mittwoch, 6. Juni

11 bis 18 Uhr: Ankünfte der G8 Staats- und Regierungschefs

ab 19.10 Uhr: Empfang und informelles Abendessen für die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten und ihre Partnerinnen und Partner

Donnerstag, 7. Juni

  9.30 Uhr:  Offizielle Begrüssung durch Angela Merkel.

10.00 Uhr:   Arbeitssitzung der G-8-Regierungschefs. Das Thema: Wachstum und Verantwortung in
                   der Weltwirtschaft / "Heiligendamm-Prozess"

12.00 Uhr:   Familienfoto der G8 Staats- und Regierungschefs

12.15 Uhr:  Treffen der G8 Staats- und Regierungschefs mit J8-Jugendlichen

13.15 Uhr:  Arbeitsessen der Regierungschefs. Dabei Diskussion aktueller aussenpoliti-
                  
scher Themen.

14.30 Uhr:  Gelegenheit für bilaterale Gespräche

16.00 Uhr:  Arbeitssitzung der G8 Staats- und Regierungschefs. Thema: Klimawandel und Energie-
                  
effizienz

19.30 Uhr:  Staatsbankett der Regierungschefs mit Ehefrauen und Merkels Mann Joachim Sauer.
                   Thema: Neue Impulse für Doha-Entwicklungsrunde, G8-Afrikapolitik.
                   Zeitgleich findet in Rostock ein Konzert gegen Armut mit Herbert Grönemeyer , Bono, den
                   Fantastischen Vier u. a. statt.

21.30 Uhr:  Digestif und Gelegenheit für bilaterale Gespräche

Freitag, 8. Juni

9.00 Uhr:   Arbeitssitzung der G8 mit Staats- und Regierungschefs von Ägypten, Algerien, Nigeria, Senegal, Südafrika, Äthiopien und Ghana sowie dem Kommissionspräsidenten der Afrikanischen Union sowie dem Generalsekretär der Vereinten Nationen. Thema: Wachstum und Verantwortung für Afrika: Frieden und Sicherheit, G8-Afrika-Reformpartnerschaft, Verbesserung der Gesundheitssyste-me anschliessend G8-Familienfoto mit Afrika-Outreach.

10.45 Uhr:  Arbeitssitzung der G8 mit den Staats- und Regierungschefs von Brasilien, China, Indien, Mexiko, Südafrika, Wachstum und Verantwortung in der Weltwirtschaft/ "Heiligendamm-Prozess", Klimawandel anschliessend Familienfoto der G8 mit den Staats- und Regierungschefs von Brasilien, China, Indien, Mexiko, Südafrika, anschliessend Familienfoto der G8 mit allen anwesenden Staats- und Regierungschefs.

13.00 Uhr: Arbeitsessen der G8 mit den Staat- und Regierungschefs sowie dem Uno-Generalsekre-tär, dem Generalsekretär der OECD, dem Vizepräsidenten der Weltbank, dem Direktor des IWF, dem Exekutivdirektor der IEA sowie dem Generaldirektor der WTO. Thema: Wachstum und Verantwortung in der Weltwirtschaft/ "Heiligendamm-Prozess", Neue Impulse für Doha-Entwicklungsrunde.

15.00 Uhr: Pressekonferenz der deutschen G8-Präsidentschaft, anschliessend Gelegenheit für nationale Pressekonferenzen.

Anschliessend Abreise der Delegationen

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Unter dem Leitmotiv "Wachstum und Verantwortung" will Deutschland auf dem G-8-Gipfel mehrere Themen zur Sprache bringen.

AUSSENPOLITIK: Die G-8 werden auch diesmal wichtige aussen- und sicherheitspolitische Fragen erörtern. Dazu gehören das umstrittene US-Raketenschild in Osteuropa, die Unruhen im Gaza-Streifen, der Raketenbeschuss auf Israel, die Entwicklung im Libanon oder das Atomprogramm des Iran.

KLIMASCHUTZ:  Der G-8-Gipfel soll genutzt werden, um rechtzeitig eine Anschlussregelung zum 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll zu erreichen. Angesichts des Klimawandels sind ehrgeizigere Ziele im Kampf gegen den Ausstoss von schädlichen Treibhausgasen erforderlich. Die Interessenlage unter den G-8 ist aber sehr widersprüchlich. Ob es zu konkreten Festlegungen kommt, ist daher offen.

GLOBALISIERUNG:  Die deutsche G-8-Präsidentschaft strebt beim Gipfel ein Signal für eine liberale und offene Weltwirtschaftsordnung an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt auf eine faire Gestaltung der Globalisierung. Es geht um Spielregeln im Handel, auf Kapitalmärkten sowie bei Sozial- und Umweltstandards.

AFRIKA:  Bei der Afrika-Hilfe wollen die G-8 einen "qualitativ anderen Ansatz" finden. Es geht um Hilfe für die Staaten, die Reformen vorantreiben und Verantwortung übernehmen. Stichworte sind "gute Regierungsführung", ein besseres Investitionsklima, Frieden und Sicherheit sowie der Kampf gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria. Es geht auch um die Einhaltung früherer G-8-Zusagen zur Anhebung der Entwicklungshilfe.

SCHWELLENLÄNDER:  Der G-8-Gipfel soll Impulse für eine bessere Einbindung wichtiger und stark wachsender Volkswirtschaften wie China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika geben. Es soll ein "Heiligendamm-Prozess" angestossen werden. Eine Erweiterung der G-8 um China oder auf eine Gruppe mit 13 Ländern wird abgelehnt.

WELTWIRTSCHAFT: Die G-8 wollen die Risiken für den globalen Aufschwung begrenzen. Hintergrund sind globale Ungleichgewichte wie das enorme Leistungsbilanzdefizit in den USA, der starke Anstieg der Währungsreserven in Asien, insbesondere in China (derzeit 1200 Milliarden US-Dollar), Leistungsbilanzüberschüsse in Japan, China und Teilen Europas sowie in Erdöl exportierenden Ländern.

HEDGE-FONDS:  Deutschland tritt für mehr Transparenz bei den bisher weitgehend unkontrollierten Hedge-Fonds ein. Die etwa 9000 hoch spekulativen Finanzinvestoren, die überwiegend von den USA und Grossbritannien aus agieren, verwalten schätzungsweise etwa 1400 Milliarden Euro. Angestrebt werden freiwillige Verhaltensregeln.

PRODUKTPIRATERIE:  Zum Schutz geistigen Eigentums und streben die G-8 und Schwellenländer gemeinsame Strategien gegen Produktpiraterie an. Die Nachfrage nach gefälschten Produkten soll eingedämmt werden. Allein der deutschen Wirtschaft entsteht jährlich ein Schaden von 25 Milliarden Euro. Weltweit sind es rund 120 Milliarden Euro.

PROTEKTIONISMUS:  Einer neuen Welle von "Investitionsprotektionismus" gegen ausländische Investoren soll entgegengewirkt werden. Länder errichten in strategisch wichtigen Bereichen Hürden. Die G-8 streben ein Bekenntnis zu offenen Märkten für ausländische Investoren an.

WELTHANDEL:  Von den G-8 wird ein Signal für einen Durchbruch in den festgefahrenen Verhandlungen zur "Doha-Runde" für eine weitere Liberalisierung des Welthandels erhofft. Der Zeitdruck wächst.

SOZIALSTANDARDS:  Hier wird der Dialog mit den Schwellenländern gesucht, aber auch mit global agierenden Unternehmen. Vom Gipfel soll ein "starkes Signal" für die Beachtung sozialer Standards ausgehen.

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Alternativgipfel

Zeitgleich mit dem "echten" G-8-Gipfel findet in Rostock ein Alternativgipfel statt. Zahlreiche Nicht-Regierungsorganisationen wollen am Donnerstag darüber diskutieren, wie sich die Globalisierung gerechter gestalten lässt.

In Rostock findet der Alternativ-Gipfel zum G-8-Treffen statt.

Globalisierungsgegner üben scharfe Kritik an Angela Merkel.

Zum Auftakt eines Alternativgipfels zu G-8 in Rostock haben Globalisierungskritiker an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert, beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Die Kanzlerin müsse sich für klare Reduktionsziele für Treibhausgase einsetzen und beim G-8-Gipfel in Heiligendamm nicht um den heissen Brei herumreden, forderte Karsten Smid von Greenpeace am Dienstag in Rostock. Lippenbekenntnisse reichten nicht, damit delegitimierten sich die Staats- und Regierungschefs der G-8 selbst. Allein die G-8-Staaten seien für den Ausstoss von 50 Prozent der Treibhausgase weltweit verantwortlich.

Kluft zwischen Arm und Reich immer grösser

Beim Alternativgipfel bis Donnerstag wollen zahlreiche Nicht-Regierungsorganisationen darüber diskutieren, wie sich die Globalisierung gerechter gestalten lässt. Die G-8-Kritiker werfen der Gruppe der Acht vor, sich ohne Legitimation zur Weltregierung aufzuschwingen und durch ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik die Kluft zwischen Arm und Reich zu vergrössern.

Merkels Klima-Ziele "zu niedrig"

Der Soziologie-Professor und Träger des alternativen Nobelpreises, Walden Bello, nannte Merkels Klimaziele zu niedrig. Experten gingen davon aus, dass eine Verringerung der Treibhaus-Emissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent nötig sei, nicht nur 50 Prozent, sagte er. Im Grunde verfolge Merkel das gleiche Ziel wie US-Präsident George W. Bush: Wachstum um jeden Preis. Merkel will beim G-8-Gipfel in Heiligendamm ab Mittwoch klare Verpflichtungen zur Senkung der Emissionen erreichen. Eine solche Festlegung ist wegen der Haltung der USA jedoch fraglich.

Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, forderte die EU auf, ihre "mörderische Dumpingpolitik" bei den Agrarexporten zu beenden. Alle fünf Sekunden sterbe ein Kind unter zehn Jahren, obwohl die Landwirtschaft eigentlich zwölf Milliarden Menschen ernähren könnte, das doppelte der derzeitigen Weltbevölkerung. Einer der Gründe seien die hohen Exporthilfen der Industriestaaten, die sich 2006 auf 349 Milliarden Dollar summiert hätten. Damit könnten europäische Früchte auf afrikanischen Märkten weit billiger als einheimische Produkte angeboten werden, afrikanische Bauern hätten keine Chance.

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Hier ein Bericht von Teilnehmern unter den friedlichen G8-Demonstrierenden:

Rostock, 6. Juni 2007,  Pressemitteilung

**  Schlagstock- und Wasserwerfereinsatz
     gegen friedliche Teilnehmer der Aktion Block G8

** Attac- Kokreismitglied Sven Giegold kritisiert Polizeieinsatz

Heute morgen brachen aus den Protest-Camps in Rostock und Reddelich Tausende auf, um gewaltfrei entschiedene Zeichen gegen den G8-Gipfel zu setzen. Sie folgten dem Aufruf der Aktion "Block G8" und wollen sich auf Zufahrtsstrassen nach Heiligendamm setzen - bis die Polizei sie wegträgt. Attac hat nicht zu dieser Aktion aufgerufen, aber zahlreiche Attac-Aktive haben sich mit auf den Weg gemacht.

Unbewaffnet, bunt bekleidet und gewaltfrei gingen insgesamt rund 10’000 Menschen von Admanns-hagen bzw. Brodhagen auf Heiligendamm zu.

Obwohl es zu keiner Provokation und keiner Gewalt der Teilnehmer kam, setzte die Polizei gegen Mittag Schlagstoecke und Wasserwerfer ein.

Sven Giegold, Teilnehmer der Blockade und Mitglied des Attac-Kokreises:

"Ich bin erschüttert. Noch gestern im Vorgespräch sicherte die Polizei faires Verhalten zu, wenn keine Gewalt von den Demonstranten ausgehe. Jetzt bin ich hier Augenzeuge, wie die Polizei Wasserwer-fer und vereinzelt Schlagstöcke bei Neu Rethwisch gegen friedliche Demonstranten einsetzt.  Von einer Verhältnismässigkeit der Mittel kann hier keine Rede sein".

Für Rückfragen:
Sven Giegold, 0163 - 59 57 59 0

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Sondermeldung:

----- Original Message -----

From: "rf" <ra_frankl@gmx.net>

Cc: "Rüdiger Heescher" <ruediger.heescher@attac.de>; "globkrieg AG attac" <globalisierungundkrieg@listen.attac.de>

Sent: Wednesday, June 06, 2007 9:03 PM

Subject: [GlobuK] Rostock Camp - Polizei zieht wieder ab

*Entwarnung.  Polizei zieht in Rostock wieder ab. Offensichtlich ein Einschüchte-rungs- oder Provokationsversuch.

Apropos Provokation:

+++ Heiligendamm, 20:42 Uhr +++*

WELT-ONLINE- Reporterin Freia Peters berichtet, dass es gegen halb acht bei der Blockade des Haupttors des Zauns auf der Lindenallee fast zu einer Eskalation gekommen wäre. Ein schwarz gekleideter Vermummter stachelt zum Steine schmeißen auf. Schnell werden die Demonstran­ten skeptisch, er ist perfekt gekleidet. „Das ist ein Zivilbulle!“ ruft Einer. Hunderte rennen auf ihn zu und rufen „verpiss Dich!“ Einige sammeln Steine im Kiesbecken der Molli-Bahn und ziehen ihre Vermummungen hoch. Block-G-8-Aktivist Henning Obens rennt mit seinem Megafon herbei und spricht den jungen Mann an, wo er herkomme, wie er heisse, doch er bleibt stumm, die Menge tobt.

Zeitgleich marschiert eine Hundertschaft von Süden auf die Straße in Richtung Zaun, vorbei den Blockierern. Obens schützt den Vermummten mit seinem Körper und zerrt ihn zur Polizei. Dort wird er von den Beamten in Empfang genommen und hinter die Polizeisperre gezogen. Offenbar war der Vermummte ein „Agent Provokateur“. Linke Gruppen werfen der Polizei vor, mit solchen Zivilpolizisten die Stimmung beim Gipfel in Genua angeheizt zu haben.

Um ein Haar wäre die Situation eskaliert, doch wenig später beruhigt sich die Menge wieder. Zeitgleich wird eine Blockade in Vorder Bollhagen von der Polizei mit Wasserwerfern geräumt. Es scheint, als wollen die Beamten auch am Haupttor räumen. Immer näher fahren zwei Wasser­werfer und ein Räumungsfahrzeug auf die Blockierer zu. Eigentlich gibt es keinen Grund dazu – die Demonstranten sind friedlich.

Mein Sohn rief mich gerade aus dem Rostocker Camp an: Die Polizei hat es umstellt und ist ins Lager eingedrungen. Er berichtet von angespannter bis bedrohlicher Situation. Keine bürgerliche Presse da. Nur wenige Leute (ca. 1000), da der "Rest" bei Blockaden unterwegs. Allerdings viele Kinder! In den Nachrichten davon natürlich (noch) nichts.

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