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Meine
Visionen nach dem schweren Unfall mit dem Pferd
Ich
war im Krankenhaus mit furchtbaren Kopfschmerzen und es war, als ob
sich die ganze Welt in meinem Gehirn drehte. Ich erinnerte mich an
den Sturz von meinem Pferd Blackie, und wie ich da lag, formten sich
Bilder in meinem Sinn, Bilder, die sich mit Blitzgeschwindigkeit
bewegten und Bilder, die stillstanden - ich schien in einer anderen
Welt zu sein, ob sie sich in der Zukunft befand oder in einem
uralten Land, das kann ich nicht sagen - dann langsam wie
Schwarzweiss-Stummfilme aber mit Farbe und Ton. Ich schien mich in
Los Angeles zu befinden, aber es war nicht zur jetzigen Zeit (1937),
denn es war grösser, viel grösser. Die Busse und merkwürdig geformte
Autos füllten die Strassen der Stadt. Ich dachte an
Hollywood-Boulevard, und dann befand ich mich dort auf dem
Hollywood-Boulevard, ob dies wahr ist oder nicht, ich weiss es
nicht. Da waren viele Männer in meinem Alter, aber sie hatten Bärte
und manche von ihnen trugen Ohrringe.
Alle Mädchen trugen kurze Röcke, und sie schlenderten dahin in einer
tanzähnlichen Bewegung. Ich fragte mich, ob ich mit ihnen reden
könnte. Ich sagte: "Guten Tag", aber sie hörten mich nicht noch
sahen sie mich. Ich kam zu der Erkenntnis, dass ich ihnen genauso
komisch vorkommen musste, wie sie mir. Eine Zeitlang versuchte ich
diesen verrückten Gang. Ich nehme an, man muss ihn erlernen. Ich
konnte es nicht. Ich bemerkte, da war eine Ruhe, eine Art von
Stille, als ob man Stille hören könnte. Etwas fehlte, das da sein
sollte.
Zuerst begriff ich es nicht und dann erkannte ich, dass es
keine Vögel gab. Ich horchte, ich ging auf dem Boulevard zwei Blocks
weit nach Norden, vorbei an all den Häusern, aber es gab keine
Vögel. Ich fragte mich, was mit ihnen passiert war, waren sie fort
gegangen? Wohin? Es war so still, ich konnte die Stille hören.
So etwas hatte ich noch nie erlebt, aber ich horchte, nur Stille -
und dann wusste ich, dass etwas geschehen würde. Ich fragte mich,
welches Jahr es war, es war zweifellos nicht 1937. Ich sah eine
Zeitung an der Ecke mit einem Bild des Präsidenten. Es war nicht
Roosevelt, er war grösser, gewichtiger, hatte grosse Ohren. Wenn es
nicht 1937 war, dann fragte ich mich, welches Jahr es war. Ich
schaute auf die Schlagzeile, aber ich konnte es nicht erkennen, es
sah aus wie 1969. Ich war dessen nicht so sicher, denn meine Augen
konnten es nicht scharf erfassen. Etwas kam, und es war die
Krankenschwester, die mich aufweckte, um mein Fieber zu messen.
Ich erwachte, denkend, es war ein verrückter Traum.
* *
*
In
der nächsten Nacht sind meine Kopfschmerzen noch schlimmer, es ist
ein Wunder, dass ich nicht auf dem Pferd getötet wurde. Ich hatte
einen weiteren verrückten Traum, es war wieder in
Hollywood. Ich sah
jene Menschen und wunderte mich, warum sie sich so kleideten. Ich
war wieder auf dem Boulevard, und diesmal wartete ich darauf, dass
etwas passiert. Etwas Grosses würde passieren, und ich würde dabei
sein. Ich schaute auf zu der Uhr unten an dem grossen Theater, und
es war zehn vor vier am Nachmittag.
An der Stelle, wo alle die Filmstars ihre Handabdrücke und Namen
hinterlassen, sah ich Namen, manche, die ich erkannte, aber manche,
die ich überhaupt nicht kannte, nie gehört hatte. Diese verrückten
Kinder, warum sind sie alle so gekleidet. Vielleicht ist es irgend
eine Karneval-Veranstaltung oder etwas Ähnliches, aber es schien
nicht wie Karneval. Es war eher am Anfang des Frühlings. Da war
wieder dieses Geräusch, bzw. das Fehlen des Geräusches, Stille,
Stille, Stille. Ich fragte mich: "Wissen diese Menschen nicht, dass
die Vögel irgendwohin weggegangen sind?". Die Stille wird grösser
und grösser. Ich weiss, es wird passieren, etwas wird passieren, es
passiert jetzt, und wieder weckte mich die Krankenschwester.
* *
*
In
der nächsten Nacht träumte ich wieder, wo ich gewesen bin, oder
eher, wo ich nicht gewesen bin. Ich bin zu den Enden der Erde
gewesen und zurück. Ich bin am Ende der Welt gewesen, es blieb keine
Stelle übrig, nicht einmal dieses Krankenhaus. Wenn nur meine Augen
ein bisschen klarer würden, damit ich all dieses aufschreiben kann.
Sowieso wird mir niemand glauben. Ich gehe zurück zum letzten Moment
auf dem Boulevard. Dort ging ein süsses Kind vorbei, ein Mädchen.
Sie schleppte kleine Jungen, an jeder Hand einen. Ihr Rock war ganz
schön kurz und sie hatte ein müdes Aussehen. Einen Moment lang
dachte ich, ich könnte sie nach den Vögeln fragen und danach, was
geschehen sei, doch dann erinnerte ich mich, dass sie mich nicht
sah. Ihr Haar war völlig gekräuselt und stand ihr vom ganzen Kopf
ab. Viele Leute auf die ich sah, sahen so aus, aber sie hatte einen
so müden Ausdruck, so als ob sie über etwas traurig war. Ich nehme
an, sie war traurig, bevor es geschah, denn es geschah bestimmt.
Da
war ein komischer Geruch. Ich wusste nicht, woher er kam. Ich mochte
ihn nicht, ein Geruch wie Schwefel oder Schwefelsäure, ein Geruch
wie der Tod. Einen Moment lang dachte ich, ich wäre wieder im
Chemie-Unterricht. Als ich mich umschaute, war das Mädchen weg. Aus
irgend einem Grund wollte ich sie finden. Es war, als ob ich wusste,
dass etwas passieren würde, und ich wollte bei ihr bleiben und ihr
helfen, aber sie war weggegangen. Ich ging einen halben Block weit
und dann sah ich wieder die Uhr. Meine Augen schienen an der Uhr zu
kleben. Es war fünf vor vier Uhr an einem sonnigen Nachmittag. Ich
dachte, ich würde ewig dort stehen und auf die Uhr schauen, darauf
wartend, dass etwas passiert.
Dann, als es geschah, war es wie nichts. Es war bei weitem nicht so
stark, wie das Erdbeben, das wir vor zwei Jahren hatten. Der Boden
wackelte nur einen Augenblick. Die Menschen schauten einander
überrascht an, dann lachten sie. Ich lachte auch, dies war es also,
worauf ich gewartet hatte, diese kleine Erschütterung, es bedeutete
nichts.
Ich
war erleichtert, und ich war enttäuscht. Worauf hatte ich gewartet?
Ich ging zurück zum Boulevard und versuchte meine Beine so zu
bewegen, wie diese Kinder. Wie sie es taten, habe ich nicht
herausgefunden.
Ich fühlte, als ob der Boden unter mir nicht fest war.
Ich wusste,
dass ich träumte, und doch träumte ich nicht. Da war wieder dieser
Geruch, der herankam, wie ein Ozean. Ich sah den Ausdruck auf dem
Gesicht der Kinder, zwei von ihnen kamen auf mich zu, beide mit
Bärten und beide mit Ohrringen. Einer sagte: "Lass uns von hier
verschwinden und nach Osten zurückgehen." Er schien erschrocken. Es
war, als ob die Bürgersteige zitterten, aber man konnte es nicht
sehen, jedenfalls nicht mit den Augen. Eine alte Dame hatte einen
kleinen weissen Hund, und sie packte ihn in ihre Arme und sagte:
"Lass' uns nach Hause gehen, Mama bringt dich heim." Die arme alte
Frau hing an ihrem Hund. Ich bekam Angst, echte Angst. Ich erinnerte
mich an das Mädchen, sie war weit den Block hinunter. Ich fing an zu
laufen, und der Boden fing an zu zittern. Ich konnte es nicht
fühlen, aber ich wusste, dass er zitterte. Alle sahen erschrocken
aus, sie sahen schrecklich aus. Eine junge Dame setzte sich einfach
auf den Bürgersteig, krümmte sich in einem Lachkrampf und sagte
einfach: "Es ist das Erdbeben, es ist das Erdbeben", immer und immer
wieder, aber ich konnte nicht erkennen, dass sich etwas geändert
hatte.
Dann kam es, und wie es kam, wie nichts in Gottes Welt, wie nichts.
Es war wie der Schrei einer Sirene, lang und tief, oder wie der
Schrei einer Frau bei der Geburt, den ich gehört hatte, als ich ein
Kind war. Es war schrecklich, es war, als ob ein Monster die
Bürgersteige nach oben schob. Man fühlte es lange bevor man es sah.
Die Bürgersteige hielten nicht mehr. Ich schaute auf die Autos, sie
hupten, sie bewegten sich einfach weiter, sie schienen noch nicht zu
wissen, dass etwas geschah. Dann kam ein kleines weisses Auto, von
einer halben Babygrösse, von der Mittellinie geschossen direkt gegen
den Bordstein. Das Mädchen, das es fuhr, sass nur da, sie sass da
und starrte mit ihren Augen und sie konnte sich nicht bewegen. Sie
winselte wie ein kleines Mädchen, sie machte komische Geräusche. Ich
beobachtete sie und dachte an das andere Mädchen. Ich sagte mir,
dass es nur ein Traum war und ich aufwachen würde, aber ich wachte
nicht auf.
Das
Schütteln hatte wieder begonnen, aber diesmal anders. Ein nettes
Schütteln, wie das Wiegen einer Wiege, und dann sah ich - es schien,
dass die Mitte des Boulevards in zwei Stücke brach. Der Beton sah
aus, als ob er von einer grossen Schaufel geradewegs nach oben
gedrückt worden war. Er brach mitten entzwei und deshalb geriet das
Auto des Mädchens ausser Kontrolle. Dann ein lautes Geräusch, wie
ich es nie zuvor gehört hatte, dann Hunderte von Geräuschen, die
alle auf einmal kamen.
Kinder und Frauen und diese verrückten Männer mit Ohrringen, sie
schienen sich alle über dem Bürgersteig zu bewegen. Sie wurden
hochgehoben und das Wasser sickerte hervor, die Schreie, es war
schrecklich. Ich erwachte. Ich will diesen Traum nie wieder haben.
* *
*
In
der nächsten Nacht träumte ich wieder. Es war wie beim ersten Mal
und es war eine Vorschau, und alles woran ich mich erinnern kann,
ist, dass es das Ende der Welt
war. Ich war wieder dort,
direkt unter all diesen Verbrechen, direkt mittendrin. Meine
Trommelfelle fühlten sich an, als ob sie platzen würden. Leute
fielen hin, einige von ihnen schwer verletzt. Stücke von Gebäuden
splitterten ab und flogen in der Luft, eines traf mich hart an der
Seite meines Gesichts, aber ich schien es nicht zu fühlen. Ich
wollte aufwachen, um von diesem Ort hinwegzukommen. Am Anfang, im
ersten Traum, war es Spass gewesen. Ich wusste in etwa, dass ich vom
Ende der Welt oder etwas Ähnlichem träumen würde, aber dieses war
schrecklich. Da waren ältere Menschen in den Autos, die meisten der
Kinder waren auf der Strasse, aber jene alten Männer schrieen
und brüllten, als ob ihnen jemand helfen könnte. Niemand konnte
ihnen helfen.
Dann war es, dass ich mich hochgehoben fühlte. Ich war über der
Stadt. Sie neigte in Richtung Ozean wie das Hochklappen eines
Picknicktisches. Die Gebäude hielten besser als man es glauben
würde, sie blieben stehen. Die Menschen, die die Gebäude sahen,
versuchten, sich an ihnen festzuhalten oder in sie hineinzukommen.
Es war phantastisch, so als ob ein Gebäude einen eigenen Willen
hatte. Alles andere um sie herum brach, aber sie hielten, hielten.
Ich war über ihnen und schaute hinunter. Ich fing an, sie anzufeuern
und sagte: "Haltet fest, haltet fest". Ich wollte sie
anspornen, rufen, schreien. Jene Gebäude hielten, jene Gebäude auf
dem Boulevard, vielleicht konnte das Mädchen mit den zwei Kindern
ins Innere gelangen. So sah es eine lange Zeit aus, drei Minuten,
drei Minuten waren wie ewig. Alle versuchten, ins Innere zu
gelangen. Sie würden halten, du wusstest sie würden halten, selbst
wenn die Wasser weiterhin steigen würden, - nur sie taten es nicht.
Ich habe mir nie vorgestellt, wie es sein würde, wenn ein Gebäude
stirbt. Ein Gebäude ist so wie eine Person, es gibt nach. Einige der
grösseren taten genau das, sie fingen an zusammen
zu fallen, wie ein
alter Mann mit Schüttellähmung, der es nicht länger ertragen kann.
Sie zerfielen zu Nichts. Die kleinen Gebäude
schrieen wie verrückt, lauter und höher als das Gebrüll der
Menschen. Sie waren verrückt vor Sterbensangst, aber die Gebäude
starben.
Ich
konnte die Menschen nicht mehr anschauen. Ich fuhr fort, höher und
höher hinauf zu
wollen, und ich wurde emporgehoben bis dorthin, wo ich sehen konnte.
Ich schien mich auf dem Big Bear Berge zu befinden, in der Nähe von
San Bernadino, aber das Komische war, dass
ich überall hinsehen konnte. Ich wusste, was geschah. Die Erde
schien wieder zu zittern. Ich konnte es fühlen, obwohl ich hoch oben
war. Diesmal dauerte es vielleicht 12 Sekunden, und es war sanft.
Man kann nicht glauben, dass etwas so Sanftes soviel Schaden
anrichten könnte, aber da sah ich die Strassen von Los Angeles und alles zwischen Los
Angeles und den San Bernadino Bergen kippte
zum Ozean hin, Häuser und alles, was übrig war. Ich konnte die
grossen Strassen sehen, dutzende grosser Fahrbahnen, die immer noch
mit Autos überhäuft waren, an einigen Stellen gab es fünf Spuren,
und alle Autos glitten in die gleiche Richtung.
Jetzt kam der Ozean herein und bewegte sich wie eine riesige
Schlange das Land hinauf. Ich fragte mich, wie spät es war, und ich
konnte die Uhr sehen, es war 16.29h -, obwohl
ich nicht auf dem Boulevard war, es war eine halbe Stunde vergangen.
Ich war froh, dass ich das Schreien nicht mehr hörte, aber ich
konnte alles sehen.
Dann, wie auf eine riesige Landkarte der Welt schauend, konnte ich
sehen, was auf dem Land und mit den Leuten geschah. San Francisco
fühlte es, aber es war in keiner Weise wie in Hollywood und Los
Angeles. Ich schien zu sehen, dass der Garlet-Graben und nicht nur
der San-Andreas-Graben, San Francisco erschütterten. Ich konnte
sehen, wie alle diese Berge zusammenkamen, die Sierra Nevada,
San-Andreas und Garlet. Ich wusste, was mit San Francisco passieren
würde. Es würde wegen des Garlets Grabens umkippen. Es würde sich
auf den Kopf stellen. Es ging schnell wegen der Drehung. Es schien
viel schneller zu gehen als bei Hollywood, aber dann war ich nicht
mehr dort, sondern ich war weit davon entfernt.
Ich
schloss meine Augen für eine lange Zeit. Ich schätze, es waren etwa
zehn Minuten, und als ich sie wieder öffnete,
sah ich den Grand
Canyon, und als ich in den Grand Canyon schaute, schloss sich die
riesengrosse Lücke. Der Boulder Damm wurde von unten hochgedrückt,
und dann von Nevada bis nach Reno und nach Süden hinunter bis zu
Baha California und auch bis Mexiko schien es, als ob ein Vulkan
ausbricht mit allem, was dazugehört.
Ich
sah die Landkarte von Südamerika, besonders Kolumbien wurde durch
einen weiteren heftigen Vulkanausbruch erschüttert.
Venezuela schien auch einige vulkanische Aktivitäten zu haben.
Weit entfernt konnte ich Japan sehen, das sich auch auf einem Graben
befand. Es war so weit weg und nicht so leicht zu sehen, weil ich
auf dem Big Bear Berge war, aber Japan begann ins Meer zu gehen. Ich
wusste nicht, wie spät es in diesem Moment war. Die Menschen sahen
wie Puppen aus, weit entfernt, dass ich sie nicht sehen konnte. In
einer oder zwei Minuten war es vorüber, es war vergangen und niemand
war mehr übrig.
Ich
wusste nicht, wie spät es war, ich hatte keine Uhr. Ich versuchte,
die Insel von Hawaii zu sehen, und ich konnte riesige Flutwellen
gegen die Insel schlagen sehen. Die Menschen auf den Strassen wurden
nass und sie waren erschrocken, aber ich sah niemanden ins Meer
fallen.
Um
den Globus herum sah ich weitere Überschwemmungen. Wird die Welt
ertränkt?
Konstantinopel, das Schwarze Meer stieg, der Suez Kanal
schien aus irgend einem Grunde auszutrocknen. Sizilien hielt nicht.
Ich konnte die Landkarte sehen, der Ätna wurde erschüttert, ein
grosser Teil dieser Fläche schien hinab zu
gehen, aber es schien früher oder später zu sein. Ich wusste
nicht, wie spät es jetzt war. In England gab es riesige Fluten, aber
keine Flutwelle. Wasser überall, aber ich sah niemanden im Meer
versinken. Die Menschen waren stark verängstigt. An einigen Stellen
fielen sie auf ihre Knie in den Strassen und fingen an, für die Welt
zu beten. Ich habe nicht gewusst, dass die englischen Menschen
emotional sind, aber in England, Irland, Schottland waren alle Arten
von Kirchen Nacht und Tag überfüllt.
Menschen trugen Kerzen, jedermann weinte um Kalifornien, Nevada,
Colorado, Utah. Alle weinten um Kalifornien, und viele kannten nicht
einmal jemand in Kalifornien. Sie weinten wie um Blutsverwandte, als
ob sie alle eine Familie wären, so als wäre es Ihnen selbst
passiert.
Die
Stadt New York kam in das Blickfeld. Sie war noch da, nichts war
passiert. Der Wasserstand war sehr hoch. Hier waren die Dinge
anders. Menschen rannten in den Strassen und schrieen:
"Das Ende der Welt ist gekommen!" Menschen liefen in
die Restaurants und assen alles, was sie in die Finger bekommen
konnten.
Ich sah ein Schuhgeschäft, und die Schuhe
waren in ca. 5 Minuten weg. Auf der Fifth Avenue rannten alle. Eine
Nachricht ertönte aus einem Lautsprecher, dass der Strom in ein paar
Minuten ausfallen könnte. Sie mussten sich selbst trösten. Fünf
Mädchen liefen zum CVJM
(Christlicher Verein junger Menschen),
die Stelle bei Lexington oder irgendwo, sie rannten, als ob sie zu
Tode erschrocken waren. Nichts passierte in New York. Eine alte Dame
füllte Mülltonnen mit Wasser, alle waren zu Tode geängstigt und
schauten wie betäubt. Die Strassen schienen erfüllt mit
Lautsprechern, es war kein Tageslicht, es war Nacht. Ich habe dann
den nächsten Tag gesehen, und alles war drunter und drüber, wiederum
ertönten Lautsprecher. In manchen Gegenden waren Brennstofftanks
gebrochen, Öl wurde gehortet und die Menschen schienen die Märkte zu
plündern.
Ich
sah viele Orte, die wie immer aussahen, und die Menschen waren nicht
erschrocken, besonders in den ländlichen Gegenden. Hier war fast
alles, als ob nichts passiert war. Die Menschen schienen diesen
Orten zuzustreben, einige zu Fuss, einige in Autos, aber einigen war
der Treibstoff aus-gegangen.
Ich
hörte oder irgendwie wusste ich, dass Land im Atlantik
heraufgekommen ist, viel Land.
Ich wurde schrecklich müde und ich
wollte aufwachen. Ich wollte zurückgehen und nach jenem Mädchen und
jenen zwei Kindern suchen. Ich fand mich wieder in Hollywood und es
war immer noch 4.29h. Ich war nicht mehr auf
dem Big Bear Berge. Ich befand mich über Hollywood. Ich war einfach
da, und es schien vollkommen natürlich in meinem Traum.
Ich
konnte jetzt eine Radiostation hören, die hinaus dröhnte und den
Menschen sagte, nicht in Panik zu geraten. Sie starben in den
Strassen, da waren Filme. Da war ein kleiner Mann, der eigentlich
Angst haben sollte, aber er hatte keine. Er sagte etwas über
ein
schwebendes Flugzeug, das herüber kommen sollte. Aber ich wusste,
dass es nicht geschehen konnte, denn Dinge geschahen in der
Atmosphäre. Der Ozean hetzte jetzt herbei, solche Wellen, sie waren
Alptraumwellen. Wieder sah ich den Boulder-Damm, der emporstieg und
sich zusammendrängte und auseinanderbrach. Es gab keinen Grand
Canyon mehr, er war zusammengeschoben.
Der
Boulder-Damm fiel auseinander, es war immer noch Tageslicht, und
alle diese Radiosender brachten es zu der gleichen Zeit:
"Der Boulder-Damm ist gebrochen."
Ich
fragte mich, wie die Menschen im Osten es erfahren würden, dann sah
ich Hand-Radio-Betreiber (Mobilfunk). Ich sah sie an den
merkwürdigsten Stellen, so als ob ich direkt bei ihnen war. Ein
kleiner Mann mit einer Brille sagte:
"Hier ist Kalifornien, wir
versinken im Meer, hier ist Kalifornien, wir versinken im Meer. Eilt
zu den Höhen, flieht in die Berge. Alle Staaten westlich, hier ist
Kalifornien, wir gehen ins Meer."
Ich
konnte ihn sehen, er war landeinwärts, aber die Wasser waren
hereingekommen, seine Hand klammerte sich am Tisch fest. Er stand
auf, damit er noch einmal sagen konnte: "Hier ist Kalifornien,
wir gehen ins Meer hinein". Ich schien dies immer wieder zu
hören, stundenlang nur diese Worte. Sie fuhren damit fort bis zum
letzten Moment, alle von ihnen schrieen es
hinaus: "Flieht in die Berge, hier ist Kalifornien, wir versinken
im Meer."
Ich
erwachte, und es war nicht so, als ob ich geträumt hätte. Ich bin
noch nie so müde gewesen, ein bis zwei Minuten lang dachte ich, es
wäre geschehen. Ich habe mich zwei Dinge gefragt: Ich hatte nicht
herausgefunden, was mit dem Mädchen geschehen war. Ich habe darüber
nachgedacht. Morgen gehe ich nach Hause, es war nur ein Traum und
nichts weiter, niemand wird jemals in Zukunft auf dem
Hollywood-Boulevard solche Ohrringe und solche Bärte tragen. Nichts
in dieser Art wird je passieren.
Das
Mädchen war so real für mich, das Mädchen mit den zwei Kindern. Es
wird nicht passieren, aber wenn es passiert, wie könnte ich es ihr
sagen (vielleicht ist sie noch nicht einmal geboren), wegzuziehen
aus Kalifornien, wenn sie ihre Zwillinge hat, damit sie nicht auf
dem Boulevard sein kann, wenn es passiert. Sie war so real.
Die
andere Sache, diese Hand-Radio-Bediener, die so daran festhielten
und immer wieder dieselbe Sache sagten: "Hier ist Kalifornien,
wir versinken im Meer, hier ist Kalifornien, wir versinken im Meer,
flieht in die Berge, flieht auf die Gipfel. Kalifornien,
Colorado, Utah; hier ist Kalifornien, wir versinken ins Meer."
Ich nehme an, ich
werde dies mein ganzes Leben lang hören.
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