|

Wladimir Schirinowski,
geboren 1946
in Almaty (Ka-sachstan), ist Vizepräsident
der Duma (so heisst die erste Kammer des Parla-ments der Russischen
Föde-ration) sowie Gründer und Vorsitzender
der Liberal-De-mokratischen Partei
Russ-lands (LPDR). Sie ging als drittstärkste
der vier in der Duma vertretenen Parteien
aus der Parlamentswahl vom Dezember 2007
hervor. |
Wie geht es
weiter nach dem Georgien-Krieg? Wie kam es zu der Tragödie im
Kaukasus? Und welche Perspektiven gibt es im Verhältnis zwischen dem
energiereichen Russland und dem tech-nologiereichen
Deutschland? Die
National-Zeitung hat Dr. Wladimir Schirinowski, Vizepräsident der
russischen Staatsduma, befragt.
„Damit McCain die Wahlen gewinnen kann“
National-Zeitung:
Was hat nach Ihrer Auffassung den georgischen Präsidenten
Saakaschwili bewogen, die kriegerische Auseinandersetzung
mit dem grossen Russland zu suchen, obgleich doch Georgien
ver-gleichsweise ein Zwerg ist?
Schirinowski:
Saakaschwili führte auf Anweisung der USA
den mili-tärischen Konflikt
mit Russland herbei. Die US-Regierung braucht die Verschärfung der
internationalen Lage, damit John McCain die Wahlen gewinnen kann.
Ausserdem dient Georgien als ein Aufmarsch-gebiet
zum Angriff auf den Iran. Dieser Angriff soll in den nächsten
Monaten passieren. Und in den letzten Jahren haben amerikanische
Spezialisten die georgische Armee für militärische Provokationen
vorbe-reitet.
National-Zeitung:
Wer steht nach Ihrer Auffassung hinter der Ein-kreisungspolitik gegen
Russland?
Schirinowski: Nur die
USA stehen hinter dieser aggressiven
Politik ge-gen Russland. Sie besetzen bis jetzt Deutschland, Japan,
Korea. Sie führen Krieg in Afghanistan und im Irak, sie provozieren
einen Konflikt im nördlichen Kaukasus – Tschetschenien, Dagestan,
Inguschetien... Und sie wollen ihre
Stützpunkte auf dem georgischen Gebiet haben, weil seit 2005 die von
den USA durchgesetzte Ölpipeline vom Kaspischen Meer über Georgien
bis an die türkische Mittelmeerküste führt. Langfristig versuchen
sie, Stützpunkte auf dem Gebiet von Aserbaidschan zu errichten. Und
nach einer Niederlage des Iran werden fast 80 Prozent des Öls in den
Händen der USA sein.
„Wir wollten den Krieg nicht“
National-Zeitung:
Wer hat Ihres Erachtens die antirussischen Revolutionen in
der Ukraine und in Georgien finanziert?
Schirinowski:
Die antirussischen Kräfte in der Ukraine und in Georgien sind
von
den USA mit hun-derten Millionen Dollar
finanziert worden. Die georgische Führung steht auf amerikanischen
Gehaltslisten. Im Gegensatz dazu lebt die
Bevölkerung Georgiens grossenteils von Überweisungen aus Russland,
wo rund eine Million Georgier wohnen. Wir wollten niemals den Krieg
im Kaukasus und waren nun gezwungen, die Unabhängigkeit von
Abchasien und Südossetien anzuerkennen, um den aggressiven Absichten
Georgiens entgegenzutreten.
|

Die
Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline vom Kaspischen Meer zum
Mittelmeer auf einer CIA-Karte. Die 1770 Kilometer lange, für
3,5 Milliarden US-Dollar unter Federführung des BP-Konzerns
errichtete so genannte „BTC-Pipeline“ verläuft durch Geor-gien
und versetzt das Land so in eine geopoli-tische
Schlüsselposition. |
National-Zeitung:
Glauben Sie, dass es letztlich darum geht, Russland als starke Macht
zu besei-tigen und nichtrussischen
Kräften freie Hand in Russland und im nahen Ausland zu geben?
Schirinowski:
Natürlich stehen für die USA nicht Georgien und Iran im Mittelpunkt,
sondern das Wichtigste ist die Schwächung Russlands und mö-glicherweise
seine Ausschaltung als starke Macht. Dazu benutzen sie alle
nichtrussischen Kräfte in Russland und im nahen Ausland, wie man es
schon vor 300 Jahren, sehr aktiv nach 1945 und beson-ders frech nach
1991 betrieb.
„Ein deutsch-russisches Bündnis bringt Stabi-lität“
National-Zeitung:
Wie beurteilen Sie das Ver-hältnis
zwischen Russland und China?
Schirinowski: Das Verhältnis zwischen
Russland und China ist ziemlich ruhig. Wenn die chinesische Politik
der Zukunft auf Russlands Fernen Osten zielt, kann das zur
Verschärfung der Beziehungen führen. Und das ist auch ein Teil der
US-Pläne. Weil man eine solche Variante nicht ausschliessen darf,
bleibt der Ferne Osten ein Problem. Wir lassen die Abtrennung keines
Millimeters zu.
National-Zeitung:
Gilt Ihres Erachtens noch die These Bismarcks, dass es
letztlich zwischen Deutschland und Russland keine unlösbaren
Interessengegensätze gibt und dass beide sich ergänzen müssen?
Schirinowski:
Ich stimme Ihrem genialen Kanzler völlig zu. Es gibt keine
unlösbaren Gegensätze zwischen Deutschland und Russland. Und nur
zusammen können wir den Status von Mächten wahren, die man nicht
erpressen kann. Deshalb möchte ich, dass wir uns um Annäherung
bemühen. Ich bin für die Rückkehr aller östlichen Gebiete
Deutschlands. Deutsche Arbeitnehmer sollen überall in Russland
Freizügigkeit geniessen. Für Deutschland bedeuten die russischen
Ressourcen Sicherheit. Ein Bündnis unserer beiden Länder bringt
Stabilität. Deutschland sollte nicht in der NATO bleiben. Es sollte
keine fremde Währung benutzen. Die Deutsche Mark wurde höher
geschätzt als der Euro. Alle fremden Armeen sollen Deutschland
verlassen und Deutschland soll seine östlichen Gebiete
zurückbekommen. |