Kommt der grosse Vulkanausbruch in Island erst?

Es brodelt und blubbert und zischt am Meeresgrund entlang des Mittelozeanischen Rückens, einer Bruchstelle der Erdoberfläche, die sich mehrere Tausend Kilometer über den Globus erstreckt. Hier driften die Erdkrustenplatten auseinander, Risse entstehen, Magma dringt nach und erstarrt zu vulkanischem Gestein.

Was hat das mit Island zu tun? Ganz einfach: Die Insel ist ein sichtbarer Teil des unterseeischen Gebirgszugs. Island selbst ist durch vulkanische Aktivitäten entstanden, von insgesamt 140 Vulkanen sind dort noch 30 aktiv. Seit zehn Jahren waren die Vulkane auf der Insel ruhig, nun spuckt der Vulkan unter dem Eyjafjallajökull, dem fünftgrössten Gletscher der Insel, wieder Asche. Sein Ausbruch kommt für den Geologen Lothar Viereck-Götte von der Universität Jena nicht überraschend. "Statistisch war es wieder einmal an der Zeit", sagt er.

Wie lang der neuerliche Ausbruch anhalten wird, lässt sich zwar nicht vorhersagen. Das letzte Mal war der Eyjafjallajökull allerdings mehrere Monate aktiv, vom Dezember 1821 bis Anfang 1823, was darauf hindeutet, dass er uns durchaus noch einige Zeit beschäftigen könnte. "Der Vulkan kann über mehrere Monate die Luftverhältnisse in Nordeuropa beeinträchtigen", sagt Vier-eck-Götte.

Die erste von Erdbeben begleitete Eruption vor gut drei Wochen wäre demnach der Auftakt. Bei den sogenannten Stratovulkanen, die wechselweise aus Asche und Lava aufgebaut sind und zu denen laut Viereck-Götte auch der um die 1600 Meter hohe Eyjafjallajökull zählt, sei es üblich, dass zuerst am Rand ein Riss entsteht - gleichsam als Vorbote des drohenden Übels. Nach etlichen Erdbeben in mehreren Kilometern Tiefe beginnt der Vulkan nach einiger Zeit zu rumoren und spuckt Asche, wie es seit Mittwoch auf Island der Fall ist. "Die ersten heissen Gase sind dabei mit dem Eis in Kontakt gekommen und haben das Schmelzwasser zum Verdampfen gebracht", sagt Viereck-Götte. "Das sich ausdehnende Gas wiederum sprengt das alte Vulkangestein."  

Bis zu 0,01 Kubik-kilometer Asche könnten schon bei kleinen Eruptionen in die Luft gelangen, ein isländischer Vulkan dieses Typs habe aber auch die Potenz, die zehn- bis hundertfache Menge auszustossen.

Heftigere Eruption in den kommenden Monaten möglich

Eine heftigere Eruption könnte es dem Geologen zufolge in den nächsten Monaten geben, wobei die kommenden Wochen darüber entscheiden, wie gross diese sein wird. "Die Hauptaktivität baut sich jetzt gerade erst auf", sagt Viereck-Götte. Das Magma in der Tiefe von einigen Kilometern rumort. Je nachdem ob es dünnflüssig ist oder nicht, wird der Ausbruch unterschiedlich schlimm, prognos-tiziert der Jenaer Wissenschaftler. "Wenn es dünnflüssig ist, kommt es schneller hoch und der Ausbruch kann schon innerhalb eines Monats vorbei sein", sagt er. "Ist es allerdings zähflüssig, explodiert es an der Oberfläche, was deutlich gefährlicher ist und zu einer grösseren Eruption führen würde."

Bis zu elf Kilometer hoch schleuderte der Eyjafjallajökull am Donnerstag die Asche. "Damit bleibt die Aschewolke in der Troposphäre, was allerdings bereits für den Luftverkehr von Bedeutung ist", sagt Viereck-Götte. Wird die Explosion stärker, kann die Asche mehr als 20 Kilometer hoch steigen.

"Dann gelangt sie auch in die Stratosphäre, was klimatisch für die Nordhalbkugel relevant wäre", sagt der Geologe. Sollten dann in Island Nord-Westwinde herrschen, könnten die Aschewolken bis nach Südeuropa gelangen, was unser Klima merklich abkühlen könnte.

"Dass Vulkanausbrüche in Island unser Klima beeinflussen, ist keine Seltenheit", sagt der Wissenschaftler, der an das Jahr 1783 erinnert. Beim Ausbruch der Laki-Spalte driftete damals eine fluorreiche Wolke bis nach Europa und sorgte für einen eisigen Winter und kühlen Sommer. Um rund drei Grad Celsius kühlte sich damals die mittlere Temperatur ab.

Unterdessen befürchten isländische Geologen, dass die Aktivitäten den nahe gelegenen Vulkan Katla wachrütteln könnten, der ebenfalls unter einer dicken Eisschicht liegt. Bei einem Ausbruch würden starke Überschwemmungen und explosionsartige Stösse drohen. "Bis jetzt sieht es allerdings so aus, als ob von dem Vulkan, der sich unter dem Myrdalsjökull-Gletscher befindet, keine seismische Aktivität ausgeht", sagt Viereck-Götte.

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Der Fluss Markarfljot führt Eisberge, so gross wie Autos

Artikel aus einer Süddeutschen Zeitung vom 17.04.2010

Der Vulkanausbruch am Eyjafjallajökull, der halb Europa lahm legt, hat bisher in Island selbst nur sehr lokale Auswirkungen. Selbst die Binnenflüge sind teilweise wieder in Gang, der internationale Flughafen Keflavík, der nordwestlich der Krater liegt, ist offen, weil der Wind die Asche weiterhin Richtung Südosten weht. Allerdings kommt man aus Keflavík nur sehr begrenzt weg, da die meisten europäischen Destinationen geschlossen sind. In die USA kann man aus Island hingegen noch fliegen.

Die nächste Umgebung des Gletschers ist allerdings von Ascheregen und Überschwemmungen schwer betroffen. In der Nacht auf Freitag mussten erneut rund 800 Menschen in aller Hast ihre Häuser verlassen, weil die Behörden wegen einer neuen Flutwelle Dammbrüche befürchteten. Am Morgen konnten die meisten zurückkehren, nur rund 20 Bauernhöfe bleiben evakuiert. "Mitten am Tag ist es finster, als ob es Abend wäre", sagt die Schafzüchterin Anna Runulfdottir, "wo die Flut lief, ist der Gletscher schwarz." Die Felder sind von einer dicken Ascheschicht bedeckt, der Fluorgehalt ist jedoch vorerst noch gering. Dennoch trieben die Bauern ihre Schafe und Pferde von den Weiden, da sie eine Vergiftung des Wassers fürchteten.

Der Fluss Markarfljot hatte während der Nacht den bisher höchsten Wasserstand und führte Eisberge so gross wie Autos mit. Rund ein halber Kilometer der Hauptverkehrsstrasse wurde zerstört, wo sich das Wasser in Richtung Meer wälzte, und manche Bewohner sind auf ihren Höfen eingeschlossen. Obwohl sich die Höhe der Rauchsäule, die aus den drei Kratern aufsteigt, verringert hat, ist nach Ansicht isländischer Meteorologen noch kein Ende der Eruptionen in Sicht. Der Vulkan werde "noch viele Tage und Wochen" ansehnliche Mengen Asche ausstossen, die sich über die ganze nördliche Hemisphäre ausbreiten könnten, sagte der Vulkanologe Thorstein Jonsson.

Gleichzeitig registrieren die Geologen erhöhte Aktivität bei anderen isländischen Vulkanen. Der Grimsvotn unter Europas grösstem Gletscher Vatnajökull beginnt zu grollen, eine Serie von Erdstössen wurde gemessen. Die Lage sei ähnlich wie 2004, als ein "Jökellauf" grosse Überschwemmungen auslöste, sagt Pall Einarsson von der Universität Reykjavik. Dabei entwickelt das Schmelzwasser unter dem Gletscher so grossen Druck, dass die ganze Eiskappe hochgehoben wird. Der grösste Vulkan Hekla brach zuletzt alle zehn Jahre aus: 1970, 1980, 1990 und 2000. Am meisten fürchtet man den Vulkan Katla: jeder Ausbruch des Eyjafjallajökull hat bisher zu viel gewaltigeren Eruptionen des Katla geführt, die enorme Flutwellen und gigantischen Ascheausstoss auslösen können.

Islands gewaltsamster Vulkanausbruch fand 1783 statt, als der Lakis acht Monate lang Lava ausstiess, Tausende Menschen und Tiere tötete und zu Hungersnot und Missernten führte. Acht Millionen Tonnen Fluor und 100 Millionen Tonnen Schwefeldioxid wurden nach Europa geweht, wo die Asche den Kontinent verdunkelte und zu einem Temperatursturz führte.

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Ein Forumsbeitrag in MMnews:

  Der Vulkan spricht:  "Bringt mir Bankster als Opfer oder ich spucke weiter Lava!"  

  Dürfen es auch ein paar mehr sein und ein paar Politiker als Dessert?

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Das "Vulkanmonster" - der ausgebrochene Vulkan Eyjafjallajökull

Jüngste Luftaufnahmen des Vulkans lassen diesen wie ein Monster oder einen Totenkopf aus-sehen (siehe Bild oben). Das hat natürlich zu neuen Verschwörungstheorien geführt. Denn mit Beginn des Ausbruchs soll das Monster erwacht sein und dieses wolle nun die Erde zerstören.

Näheres darüber:   www.oe24.at/welt/Vulkanausbruch---Kommt-es-nun-zur-Apokalypse-0693187.ece

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